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Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Retail
26.06.2020

GfK Handelstagung

Wirtschaftliche Eckdaten Detailhandel Schweiz

Auch vor der Covidkrise gab es grundlegende Veränderungen in der Schweizer Retail Branche, deren Auswirkungen weiterhin zu beobachten sind: Die drei top Game Changer 2019 waren die Fridays for Future, 5G und der Gaming-Bereich, und alle werden voraussichtlich post-Corona ihren Einfluss auf die Branche haben. In welcher letztere sich momentan befindet, hat GfK in seiner Handelstagung am 16. Juni 2020 erläutert. Hier eine Zusammenfassung.

Die Kaufkraft je Einwohner zeigt sich stabil und liegt bei den Schweizern 2019 bei 42’067 Euro, gefolgt von Norwegen mit 35’096 Euro, weit vom drittplatzierten Österreich mit 24’067 Euro. Der Durchschnitt in Europa steht bei 14’739 Euro. Das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen der Schweizer Bevölkerung ist also nach wie vor sehr hoch. Die Faktoren, die auf die Schweizer Preise wirken, sind neben Online-Preisflexibilität und Auslandeinkäufen auch Ganzjahres-Sale und neue Feiertage wie der Black Friday oder die Expansion von Discountern, Wechselkursen und die Eurothematik – ganz zu schweigen von aktuellen Entwicklungen, wie wir am Beispiel des Lockdown deutlich erfahren haben.

Nach zwei Jahren auf Schrumpfkurs resultierte 2019 für die Non-Food-Branche insgesamt wieder ein Umsatzwachstum, online gar von 8,4%. Der Mode-Markt war zwar wie in den Vorjahren rückläufig, gegen Ende 2019 zeigten sich hier aber Erholungstendenzen. Die Schweiz hat total 194 Shopping, Bahnhof und Airport-Center (ab 5000 Quadratmeter), in welchen ca 19% des Detailhandlesumsatzes erwirtschaftet wird. Im Vergleich dazu: der Onlineanteil am Detailhandel Schweiz liegt bei 9,5%. Unter den Top Ten im Schweizer Detailhandel steht Digitec Galaxus immer noch als Wachstumsheld. Erfreulich ist, dass neun davon Schweizer Konzepte sind und ebensoviele haben ein Umsatzplus.

Home und Lifestyle Märkte Schweiz

Fashion/Shoes ist mit 8,19 Mrd. immer noch der grösste Markt, gefolgt von Home (5,24 Mrd.), Do It & Garden (83,53 Mrd.) und Sport (1,7 Mrd.). Es sind gesetzte Märkte, die im Verdrängungswettbewerb miteinander stehen, Fashion/Shoes mit einem Minus von etwa 6 Mio. Franken. Das Segment Fashion/Style litt in 2019 erneut auch unter dem warmen Wetter, das sich vom Sommer bis in den Herbst hinein zog. Neue Herbst- und Winter-Kollektionen liefen bei hohen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein schleppend. Hier spielen die Preisschlacht und das Verschwinden von Charles Vögele eine Rolle. Gegen Jahresende hin zeigten sich dann aber Zeichen der Erholung. Die Chicorée-Gruppe, wieder auf Expansionskurs, sah z.B. 2019 als dasjenige Jahr mit dem höchsten Umsatz in der gesamten Unternehmensgeschichte. Zulegen beim Umsatz konnten auch die PKZ-Gruppe und C&A. Die Lifestyle-Märkte haben mit dem Online einen Schub erhalten: Fashion/Shoes ist hier mit grossem Abstand Vorreiter mit 1,6 Mio. Franken Wachstum, was einem Plus von 29% entspricht. Gewinner in Bezug auf Wachstumsraten 2019 zu 2020 ist DIY mit einem Plus von über 350%.

In der Fashion geht GfK für die Entwicklung 2020 zu 2019 von einem Minus von 15 bis 10% aus, beim Onlineanteil von plus 20 bis 25%. Massive Einbussen sehen sie leider nochmals im Fashion- und Schuhbereich. Insgesamt sind es gesättigte, sehr unterschiedliche Märkte (emotionale/sachlich-nüchterne/mode-imagebedingt). Wer omnichannel-mässig gut aufgestellt war, kam eher über die Runden. Der Nachholbedarf ist je nach Markt verschieden. Mitte März bis Mitte Juni 2020 gab es keine stationären Auslandeinkäufe, wovon der einheimische Handel im Bereich Food profitiert hat. Die Corona-Krise machte allerdings Druck zu Innovationen und neuen, unkonventionellen Ideen. Diese Chance braucht Mut für antizyklische Investitionen.

 

Noémie Schwaller