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Retail
10.09.2020

Neue Maskenpflicht im Detailhandel: Schutz hat Priorität

Seit über einer Woche begleitet sie uns nun, die Maskenpflicht im Kanton Zürich und ein wenig länger bereits in Basel. Wie wird die Einschränkung vom Kunden aufgenommen? Wie vom Personal? Werden die Weisungen befolgt und wirkt sich die neue Auflage negativ auf das Geschäft aus? Wir haben uns im Detailhandel umgehört.

«Wir begrüssen die Massnahme grundsätzlich, da die Gesundheit der Bevölkerung an erster Stelle steht», heisst es bei Jelmoli. «Wir hätten die Maskenpflicht für Mitarbeitende bei Jelmoli auch eingeführt, wenn sich der Kanton nicht dazu entschieden hätte.» Zwar könne man noch nicht genau sagen, was die neue Massnahme mit dem Umsatz mache, sie würde jedoch von den Kunden mit wenigen Ausnahmen gut aufgenommen werden.

Auch wenn man in den Vestibule Stores bisher keinen Frequenzrückgang bemerkt, sehen Inhaberin Laurence Antiglio und ihr Verkaufsteam die Herausforderungen, die die neue Situation mit sich bringt: «Für das Verkaufspersonal ist es schwierig, ständig mit Maske zu reden oder zu atmen. Da die Mimik fast ganz verschwindet, muss man aufpassen, wie man sich ausdrückt. Es kann vorkommen, dass man als Verkaufspersonal eventuell zu streng rüberkommt.» Für Kunden sieht sie eher das Problem des verzerrten Selbstbilds, da es teilweise schwierig ist, ein Outfit zu beurteilen, wenn das halbe Gesicht bedeckt ist. Trotzdem werde die Maske grösstenteils konsequent von Kunden getragen. Als Storeinhaberin wünscht sich Antiglio jedoch eine Maskenpflicht auf nationaler und nicht nur auf kantonaler Ebene; auch bei Jelmoli vergassen Kunden aus anderen Regionen anfangs teilweise, die Masken zu tragen.

Bei Grieder scheint die Auflage gut akzeptiert zu werden, die Kunden halten sich daran und man ist froh, Kunden und Mitarbeitende so besser schützen zu können. Hier spürte man die Zurückhaltung in der Frequenz eher anfangs, als die Läden erstmals wieder ihre Türen öffneten, wohingegen das Maskentragen nun fast automatisch geschieht. Jedoch «ist klar, dass die Beziehung zum Kunden dadurch weniger herzlich ist», so Claudia Torrequadra von Bongenie Grieder.

Ähnliches spricht auch Lisa-Fleur Olesch von Strellson an. «Die wichtigste Möglichkeit für den Einzelhandel, sich gegen den E-Commerce zu behaupten, ist das Bieten eines aussergewöhnlichen Einkaufserlebnisses. Es ist derzeit jedoch schwierig, das Niveau der Shopping Experience aufrecht zu erhalten, denn sowohl der Wohlfühlfaktor des Kunden wie auch die Qualität der persönlichen Beratung ist aufgrund der Maskenpflicht in Mitleidenschaft gezogen.» Leider seien auch die Frequenzen leicht gesunken, jedoch könne man sich auf seine treuen Fans und Stammkunden verlassen, die sich auch durch die Maskenpflicht nicht abschrecken lassen.

Aylin Aslan