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Retail
06.05.2021

Rework – Opening Upcycling Fashion Store

Nachhaltige Mode muss nicht teuer sein

Am Samstag, 8. Mai eröffnet das Upcycling Label Rework einen Shop im Zollhaus Zürich, Ecke Langstrasse / Zollstrasse. Das Konzept ist so simpel, wie smart: Rework macht sich die globalen Altkleiderberge zu Nutzen nach dem Motto: «Abfall ist eine Ressource am falschen Ort». Für die Kollektionen werden Gebrauchtkleider verwendet, die aufgetrennt, nach eigenen Schnittmustern zugeschnitten und neu zusammengenäht werden.

Von Re-Cycling zu Up-Cycling

Rework zeigt damit eine beispielhafte Lösung über das klassische Re-Cycling hinaus zum Up-Cycling – die Aufwertung von Secondhandkleidung in neuwertige Mode. «Je tiefer wir uns mit der Idee befassen, desto mehr sind wir überzeugt, einen Weg gefunden zu haben, der den Konsum von Mode ohne schlechtes Gewissen möglich macht», erklärt Kaspar Schlaeppi, der Geschäftsleiter von Rework, der sich zusammen mit der Designerin Laura Weber bereits seit über einem Jahrzehnt für Kreislaufwirtschaft stark macht. «Es wird keine Anbaufläche und kein Wasser benötigt, um ein Kleidungsstück von Rework zu produzieren. Im Unterschied zum klassischen Secondhandkleiderverkauf haben wir Gestaltungsmöglichkeiten, können unterschiedliche Grössen anbieten und mit dem Zeitgeist gehen.»

 

Nachhaltige Upcycling Mode als Massenprodukt 

Das Rework Sortiment überzeugt nicht nur durch Nachhaltigkeit und Ästhetik, sondern im Unterschied zu vielen Nachhaltigkeitslabels auch durch eine niederschwellige Preispolitik. «Wir möchten mit Rework ein möglichst breites Publikum ansprechen und auch Menschen erreichen, die nicht mit Secondhand vertraut sind und sich nur am Rande mit nachhaltiger Mode beschäftigen. Dafür gehen wir Kompromisse ein, beispielsweise mit unserem Bekenntnis zu einer Produktion in Tieflohnländern», verdeutlicht Kaspar Schlaeppi und ergänzt: «Wir arbeiten dort nicht mit sogenannten Partnerfabriken, wie dies die meisten anderen Kleidermarken tun, sondern haben in

Indien und Thailand unsere eigenen Nähateliers aufgebaut. So behalten wir die volle Kontrolle über die Arbeitsbedingungen und Löhne.»

 

Vom Rework Sortierwerk in den Laden

Die von karitativen Organisationen in westlichen Ländern gesammelten Altkleiderberge werden an Sortierwerke geliefert, wo sie nach unterschiedlichen Qualitäten getrennt weiterverarbeitet werden. Aufgrund des hohen Arbeitsbedarfs befinden sich diese Sortierwerke zunehmend in Asien.

 

Um direkt am Ort des Geschehens zu sein, hat Rework in Indien und Thailand eigene Teams von sogenannten «Vintage Pickers» ausgebildet. Diese durchschwärmen die Kleiderberge in den Sortierwerken und suchen nach den Materialien, Farben und Mustern, die von den Designerinnen in der Schweiz vorgegeben werden. Die Fundstücke werden in den Rework Nähateliers nach neuen Schnittmustern umgearbeitet. Angekommen im Zentrallager in Bern werden sämtliche Stücke gewaschen, einer Qualitätskontrolle unterzogen und an die Shops geliefert.

 

Rework macht den Textilkreislauf in den Shops erlebbar

Neu wird ein Teil der Produktion in den Schweizer Verkaufsläden stattfinden. So verkürzen sich die Transportwege und die Kundschaft kann den Upcycling-Prozess direkt miterleben. Der 100 Quadratmeter grosse Shop im Zollhaus ist zweigeteilt: Auf der einen Seite steht die unveränderte Seconhandkleidung zum Kauf, während auf der anderen Seite die transformierten, von aktuellen Trends inspirierten Rework-Kollektionen frohlocken.

 

Ein kleines Schneideratelier bildet die Brücke. Secondhandkleider, die nicht verkauft wurden, werden hier in neue Teile umgearbeitet. Gegen kleines Geld lässt sich ausserdem eigene Kleidung umnähen oder reparieren. Altkleider, die sich für den Upcycling Prozess eignen, dürfen Kunden gegen einen Warengutschein im Shop eintauschen. Gesucht sind insbesondere hochwertige Materialien wie Baumwolle, Leinen, Viskose, Seide oder Leder.

 

Spezielle Rework Eröffnungsaktion

Zur Shop Eröffnung im Zollhaus hat sich Rework für die Kundschaft ein besonderes Geschenk einfallen lassen: Wer eine alte Hose und ein altes Hemd mitbringt, kann sich diese kostenlos zu einem «Reversible Tote Bag» oder einem «Bucket Hat» umnähen lassen. Das Angebot gilt in der Eröffnungswoche vom 8. bis 15. Mai 2021.

 

Weitere Rework-Upcycling-Shops in der Schweiz

Nebst dem neuen Ladengeschäft im Zollhaus gibt es in Zürich seit Mai 2020 einen weiteren Rework Shop. Dieser ist an der Europaallee und wurde ursprünglich als Pop-up-Konzept eröffnet und Anfang 2021 mit einer auf 170 Quadratmeter vergrösserten Ladenfläche in einen festen Standort umgewandelt. Auch hier bildet ein Nähatelier das Herzstück.

 

Es ist zugleich Arbeitsplatz der Rework DesignerInnen, die direkt vor den Augen der Kundschaft an neuen Designs tüfteln, Schnittmuster zeichnen und Muster entwickeln. In Bern gibt es im Breitenquartier seit Dezember 2020 ebenfalls einen eigenen Rework Shop mit eigenem Atelier. Ausserdem werden die Kleider in den Fizzen-Läden in Bern, Basel, St. Gallen, Luzern und Zürich verkauft, in den Second Chance Shops in Biel und Thun sowie im Onlineshop.

 

Vom 8. bis 15. Mai 2021 gibt es für alle Kunden im Shop Zollhaus Zürich ein Eröffnungsgeschenk.

NoéMie Schwaller