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Retail
21.08.2020

Warenhaus im Umbruch

Manor streicht fast 500 Stellen

Seit der Schliessung des Zürcher Flaggschiffs Ende Januar befindet sich das Schweizer Warenhaus Manor in einer Abwärtsspirale – nicht nur Corona-bedingt. Wie die Manor AG in der gestrigen Mitteilung schreibt, sollen im Zuge einer Restrukturierung 476 Stellen gestrichen werden. Von den schweizweit rund 8900 Manor-Mitarbeitenden sind rund 830 am Hauptsitz in Basel tätig, wo 91 Stellen gestrichen werden. In den Warenhäusern sind es 385 Stellen, die der neuen Struktur zum Opfer fallen. Schuld an diesem massiven Abbau ist einerseits Corona, das wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat, mehr Auswirkungen hat andererseits aber der Strukturwandel im Handel sowie die damit verbundenen Kaufgewohnheiten, die dem Warenhaus seit einigen Jahren stark zusetzen. 

Betroffen vom Stellenabbau sind laut der Nachrichtenagentur AWP «alle Hierarchiestufen und Mitarbeitergruppen», genauso wie alle Regionen und Warenhäuser. Schliessungen sind zurzeit nicht vorgesehen. Manor-Chef Jérôme Gilg zu den Massnahmen: «Wir befinden uns im ersten Jahr eines mehrjährigen Transformationsprozesses, den wir Ende 2019 begonnen haben. Unsere E-Commerce-Aktivitäten konnten wir dieses Jahr um fast zwei Jahre beschleunigen. Die Trends der letzten Monate haben unsere strategische Stossrichtung bestätigt: Die Zukunft von Manor zeichnet sich dadurch aus, dass wir unsere Vorteile als Omnichannel-Warenhaus bewusst ausspielen und unser Produkt- und Dienstleistungsangebot dynamisch erneuern, gleichzeitig aber auch auf neue Partnerschaften setzen, die Digitalisierung beschleunigen und als Organisation beweglicher werden.»

Im Zuge der Restrukturierung bis Ende 2024 will Gilg den Online-Umsatzanteil verfünffachen, das Produkt-, Beratungs- und Dienstleistungsangebot ausbauen und im vierten Quartal einen neuen Online-Marktplatz lancieren, dessen Ziel es ist «die Produktauswahl an neuen und bestehenden Marken in den Hauptkategorien Mode, Beauty, Heim & Haushalt zu vergrössern». Zur Unterstützung ernannte Gilg Stefan Wetzler zum Chief Digital Officer (CDO), der zu seinem Start sowie dem Einzug in die Geschäftsleitung im vierten Quartal mehr als 20 Jahre E-Commerce-Erfahrung von früheren Stationen bei Lidl, Breuninger und Heine mitbringt. 

Ob die digitale Transformation von Manor gelingen kann wird sich zeigen, denn es ist klar, die Konkurrenz – national wie international – schläft nicht und es braucht gute Ideen und eine grosse Portion Einzigartigkeit, um sich gewinnbringende Umsätze im umkämpften Netz zu sichern. 

 

 

Christina Noli