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Retail
08.12.2020

Arcadia Group und Debenhams in der Abwärtsspirale

Grosse Disruptionen im britischen Retail

Heute endet der Teil-Lockdown in England, aber für einige grosse Player bedeutet das Jahr 2020 das Ende.

Es ist die Woche der grossen Zerrüttung des britischen Retails. Nur wenige Stunden nach der Insolvenzmeldung der Arcadia Group (Topshop, Topman, Miss Selfridge, Dorothy Perkins, Wallis, Evans und Burton), die über 13’000 Mitarbeitende beschäftigt, bricht auch Debenhams in sich zusammen. Der kränkelnden britischen Kaufhauskette, die Anfang April Insolvenzschutz beantragt hatte, ist nach den letzten aufreibenden Monaten die Luft ausgegangen. Das Brisante: Da die Arcadia Group der grösste Konzessionär von Debenhams ist, hatte deren Insolvenzantrag ebenfalls Auswirkungen auf das Kaufinteresse von JD Sports, das sich aufgrund der Unsicherheit eines neuen Besitzers der Arcadia-Tochtermarken zurückgezogen hat. Nun werden alle 124 Debenhams-Filialen abgewickelt, 12’000 Arbeitsplätze sind betroffen.

Die Probleme von Topshop & Co.

Einst als heisseste Highstreet-Marke gehandelt, mit einem riesigen Flaggschiff beim Londoner Oxford Circus, stand Topshop für die Ära der It-Girls, Kate Moss, Alexa Chung oder Cara Delevingne waren die bekanntesten Gesichter der Zeit. Doch Topshop unterlag in den letzten Jahren immer mehr der Schnelligkeit und der Preisschlacht von noch agileren und noch schnelleren Fast-Fahion-Marken. Laut Beobachtern hätte sich die Digitalisierung des Konzerns zu schleppend entwickelt. Zudem ging über die Jahre die Differenzierung von Topshop verloren, Namen aus den eigenen Reihen wie Miss Selfridge oder Dorothy Perkins wurden zur Konkurrenz – und am Ende verloren sie alle gegen Konkurrenten wie Asos oder Boohoo. Ebenfalls ungünstig: Inhaber Philip Green geriet wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des unfairen Geschäftens immer wieder in die Schlagzeilen.

Ein Gerangel um die Marken

Die «Trading Administration», eine neue Art der Insolvenz, die seit dem Frühling in England möglich ist, um von der Pandemie getroffene Firmen zu retten, und von der die Arcadia Group Gebrauch macht, wird laut The Business of Fashion wohl zur Konsequenz haben, dass es ein Kampf zwischen Bietern und Gläubigern geben wird, die alle versuchen werden, sich ein Stück des Arcadia-Kuchens zu schnappen. Topshop bleibt dabei die Kirsche auf diesem Kuchen. Bereits hätte Mike Ashleys Frasers Group (House of Fraser, Sports Direct) Interesse bekundet, aber auch die Boohoo Group mische schon mit. Es bleibt also spannend.

 

 

Christina Noli