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Retail
17.06.2020

Gesetz über Mieterlass während dem Lockdown

Eigentlich brachte der Parlamentsbeschluss für viele Retailer hierzulande Erleichterung: Geschäfte, die aufgrund der Corona-Pandemie schliessen mussten, bekommen eine Mietzinsreduktion von 60 Prozent. Den Rest muss der Vermieter übernehmen. Bereits getroffene individuelle Lösungen hätten aber weiterhin Gültigkeit. Der Beschluss gilt allerdings «nur» bis zu Monatsmieten von 20’000 Franken und erhitzt die Gemüter weiterhin. Die gesetzliche Reglementierung sei die letzte Lösung überhaupt, hiess es bei Beschluss Anfang Juni. Die Überlegung der Regierung? «Ein Grossteil der Schweizer Geschäfte fällt unter diese Limite. Und die, die mehr überweisen, könnten es sich leisten, so das Argument: Es sei nicht die Aufgabe der Politik, grosse Geschäfte oder internationale Ketten zu unterstützen: Apple Stores, H&M oder Zara hätten keine Hilfe nötig», heisst es in einem Artikel der «Handelszeitung». Am Beispiel der teuren Gegend um die Zürcher Bahnhofstrasse zeigt sich aber nun, dass auch kleinere Geschäfte von nationalen Unternehmen an exklusiven Lagen schnell über die genannten Mietkosten kommen. So schätzt Urs Küng vom Immobilienvermarkter Real Estate gegenüber der «Handelszeitung», dass selbst kleine Geschäfte von 80 Quadratmetern Fläche Mietkosten von über 60'000 Franken zu stemmen hätten. Genau diese könnten jetzt in Schwierigkeiten geraten, da die Mietreduktion für sie nicht greift. Zwar gebe es Vermieter, die freiwillig auf einen Grossteil der Miete verzichten; andere jedoch verlangen den vollen Preis, was insbesondere solchen, die bereits vor der Krise Probleme hatten, nun noch grössere Schwierigkeiten bereiten wird. Laut dem Experten würden etwa 65 Prozent der Schweizer Läden abseits der Zürcher Bahnhofstrasse, der Rue du Rhone in Genf oder dem Schwanenplatz in Luzern unter die Grenze von 20'000 Franken Mietkosten fallen. Gerade an der sich stark im Umbruch befindenden Bahnhofstrasse könnte das für den einen oder andern Lokalmatadoren also der Todesstoss sein – obwohl man eigentlich genau das verhindern wollte. 


 

 

Aylin Aslan