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Retail
20.11.2020

Der Black Friday und seine Alternativen

Vorweihnachtszeit gleich Rabattzeit? Muss nicht sein, auch wenn viele Händler zum Black Friday am 27. November grosszügig rabattieren. Aufgrund von vergangenen und drohenden Schliessungen ist der Warendruck in diesem Jahr noch grösser, weswegen mit wiederum grösseren Abschreibungen gerechnet wird. Doch der Widerstand wächst: Auch in diesem Jahr wurden uns einige kreative und karitative Alternativen zur Rabattschlacht zugetragen.

«Es ist wirklich ein Irrsinn mit diesem Black Friday», sagt Christina Reale von Alibi Mode in Schaffhausen. «Wie letztes Jahr werde ich wieder 10 Prozent jedes Einkaufes an diesem Tag einer wohltätigen Institution spenden.» Reale spricht vielen Schweizer Händlern aus dem Herzen. Die Coronakrise hat den Einzelhandel bekanntermassen schwer getroffen, doch bereits vor dem Jahr 2020 konnten sich viele schon nicht mit der Rabattschlacht identifizieren, bei der gute Ware viel zu früh oft unter Wert verkauft wird. Weiter sei laut dem Preisvergleichsportal billiger.de auch nicht immer ganz klar, wie viel Rabatt jetzt wirklich gewährt wird. Um einen grossen Rabatt anzupreisen, werden die Preise teilweise in weiser Voraussicht angehoben, um sie dann deutlich reduzieren zu können. Das Portal rät, ausgiebig Recherche zu betreiben und Vergleichsportale wie ihres zu konsultieren.

Colorful Friday – Mitmachen erwünscht

Die Schweizer Textilmanufaktur Colora initiierte letztes Jahr den «White Friday» in Luzern mit, der nun zum «Colorful Friday» umbenannt wurde und mehr und mehr Mitstreiter findet, die in der Woche vor dem Black Friday ihre Schaufenster ganz farbig gestalten. Die Idee: An diesem Tag bezahlen die Kunden schweizweit zwar den vollen Preis, 10 Prozent des Tagesumsatzes geht jedoch als Spende an Fashion Revolution Schweiz, an das lokale Fashion City Chapter, oder nach Wunsch an ein anderes sinnvolles Projekt. «Damit unterstützen wir einen Verein, der sich für die wichtigen Werte einsetzt: Transparenz in der Modeindustrie und einen bewussten, nachhaltigen Konsum», so die Veranstalter.

Auch bei Kleinbasel veranstaltet man den «Colorful Friday». «Wir erhoffen uns so ein Umdenken in der Konsumgesellschaft und ein weiteres Zeichen für sozial nachhaltige Produktion unserer Kleinserien, sowie mehr Wertschätzung für die Arbeit der gesamten Wertschöpfungskette unserer Kollektion zu erreichen», erklärt Inhaberin und Designerin Tanja Klein. Neben dem «Colorful Friday» geht sie noch einen Schritt weiter: Seit diesem Frühling verzichtet man bei Kleinbasel generell auf einen Sale, stattdessen verkauft man ausgesuchte Teile Second- und Thirdseason im Atelier Shop.

Einzelhändler zeigen sich kreativ

Die Boutique Calimba in Affoltern am Albis zelebriert an besagtem Datum den «Fair Friday». So plant die Inhaberin Nicole Reichlin, 20 Prozent des Tagesumsatz an eine Hilfsaktion für hungernde Menschen in Kolumbien zu spenden. «Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an», freut sich die Unternehmerin. Auch Jelmoli möchte ein Zeichen setzen und engagiert sich, wie auch im Vorjahr, am «Giving Tuesday». Im Rahmen der Aktion gegen übermässigen Konsum spendet das Traditionshaus an der Zürcher Bahnhofstrasse während der Charity Days vom 27. bis 29. November ab jedem Einkauf von 50 Franken 5 davon an den diesjährigen Xmas-Charity-Partner, die Stiftung Theodora.

Derweil ruft das Zürcher Taschenlabel Freitag dazu auf, zu tauschen statt zu kaufen, schaltet an diesem Tag seinen Onlineshop ab und bewirbt stattdessen sein Tauschportal (mehr Infos finden Sie hier). Das ebenfalls Schweizer Label Nikin, das sowieso grundsätzlich per verkauftem Teil einen Baum pflanzt, hat eine «Green Friday»-Kollektion herausgebracht, bei der pro verkauftem Teil sogar gleich zwei Bäume gepflanzt werden (mehr Infos finden Sie hier). Das Schuhhaus Walder präsentiert sich derweil als «schwarzes Schaf» und gewährt keine Rabatte. Stattdessen werden pro verkauftes Paar Schuhe 5 Franken an den Förderverein für Kinder mit seltenen Krankheiten gegeben. Die Kundschaft kann ausserdem den Spendenbetrag mit dem Kauf von einem Black-Sheep-Schlüsselanhänger zusätzlich erhöhen – dieser Erlös wird zusätzlich gespendet.

Doch was kann jeder einzelne tun, um die alljährliche Rabattschlacht nicht noch weiter anzufachen? Denjenigen, die gern am Black Friday etwas kaufen möchten, gibt die Fair Wear Foundation folgenden Ratschlag: Man solle doch darauf achten, dass die gekaufte Kleidung, egal ob heruntergesetzt oder nicht, von einer Marke stammt, die nachhaltig und fair arbeitet. Ausserdem solle man wirklich nur etwas kaufen, wenn man es braucht, und den Wert seiner bereits vorhandenen Kleidung wieder mehr schätzen zu lernen. «Setzen Sie beim Kauf auf gute Qualität und berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Stil, damit Sie gezielt und bewusst Kleidung kaufen, die Sie lange tragen», sagt Lotte Schuurman von Fair Wear Foundation. Ausserdem solle man, nachdem man einen guten Kauf getätigt hat, dies unter dem Hashtag #peoplefriendlyfashion auf Social Media teilen.

Hier erhalten Sie mehr Informationen über den «Colorful Friday».

Aylin Aslan