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News
15.06.2020

Zürcher Modelagentur-Chef: Vorwürfe wegen sexueller Belästigung

Dem Inhaber einer Zürcher Modelagentur, J.M.* (33), die sich auf das Booking von Männermodels spezialisiert hat, wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Models sexuell belästigt zu haben. Gegenüber «20 Minuten» und «Nau.ch» schilderten mehrere junge Männer ihre Erlebnisse, nachdem am Montag ein Instagram-Kanal die Vorwürfe publik gemacht hatte. Dieser ist laut «20 Minuten» innerhalb von wenigen Stunden von über 10’000 Menschen gesehen worden. Dank der prominenten Unterstützung vom Gewinner des TV-Formats «The Bachelorette», Kenny Leemann (24), meldeten sich mehrere junge Männer zu Wort, die ähnliche Erfahrungen mit dem Agenten gemacht hätten. Einige sollen zum Zeitpunkt der Belästigungen noch minderjährig gewesen sein. Laut den Aussagen der angehenden Models belästigte der Agent die Männer bei Shootings, auf Partys sowie auf Instagram. Dabei soll er wiederholt gesagt oder geschrieben haben, dass die Modelanwärter keine Karriere machen könnten, wenn sie nicht zu sexuellen Handlungen bereit wären. Diese Beweise auf Instagram sind aber laut «Nau.ch» nun verschwunden. Zudem sind alle Social-Media-Profile sowie die Website des Zürchers vom Netz genommen worden.

Der Anwalt des beschuldigten Modelagenten nahm am Dienstag Stellung und sprach von einer «in den Medien und auf Instagram geführten Hetzkampagne» gegen seinen Mandanten. Gegen diesen läuft nun eine Strafuntersuchung wegen Verdacht auf sexuelle Nötigung. Die Männer bestreiten, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich waren. Die Agentur ist geschlossen worden. Brisant ist allerdings, dass laut Brancheninsidern seit Jahren viele von den Machenschaften des Modelagenten wussten. Allerdings hatte nie jemand den Mut, diese öffentlich zu machen. 

Eine ähnliche Geschichte erzählt das bekannte Schweizer Model Anja Leuenberger in ihrem bald erscheinenden Buch über ihre zweite Vergewaltigung, die ebenfalls von einem Branchenvertreter verübt wurde. Das Licht, das durch solche zu Tage kommenden Geschichten auf die Modelbranche geworfen wird, ist kein gutes. Bleibt zu hoffen, dass in Zeiten von #Metoo solche Taten nicht mehr unbestraft bleiben – oder gar nicht erst passieren.

 

*Name der Redaktion bekannt

Christina Noli