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News
05.07.2021

Textiler Kreislauf anno 1964

"Wohin mit den alten Sachen?" Historischer textilrevue-Artikel

In unserer Jubiläumsrubrik anlässlich des 100. Geburtstag der textilrevue schauen wir zurück auf historische Ausgaben und die Themen der verschiedenen Dekaden. Hier ein Auszug aus einem Text zum textilen Kreislauf.

Der textile Kreislauf ist unterbrochen, seitdem die Lumpenhändler zu einer Seltenheit geworden sind und der Verbraucher kaum noch Gelegenheit zum Verschenken hat. Die zu vollen Schränke drohen den Neukauf von Kleidungsstücken zu beeinträchtigen, da es die Menschen aus gewissen Schuldgefühlen heraus nicht über sich bringen, Textilien einfach wegzuwerfen, sondern für getragene Bekleidung einen sinnvollen Verwendungszweck suchen. Aus diesem Grund setzte sich beispielsweise der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels schon seit Jahren für eine Gemeinschaftswerbung ein, um die psychologischen Hemmungen zu beseitigen, die ganz generell dem Kauf von Textilien entgegenstehen; erst in jüngster Zeit wurden darüber hinaus Vorschläge für eine grossangelegte Kleidersammelaktion gemacht. Leider stiess man in der Industrie – mit Ausnahmen weniger Sparten – auf keine grosse Aufgeschlossenheit. (…) Es soll hier nicht untersucht werden, ob die Marktsättigung bereits so gross sei, dass die Inzahlungnahme von Textilien als einziger Ausweg bleibt, um den Umsatz zu halten. (…) Gäbe es einen echten Zweithandmarkt für Textilien wie in der Automobil-, Elektro- und Radio- sowie teilweise auch in der ­Möbelbranche, so ginge vielleicht noch alles gut. (…)

23. Januar 1964 | St. Gallen
43. Jahrgang | Nr. 4

Von Ernst Regner