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23.09.2021

100 Jahre textilrevue – 10 Schulen; 10 Dekaden; 10 Looks

Look der Dekade #10 – «Perception Deception» von Besime Sasivari, F+F

Die Geschichte der textilrevue ist auch die Geschichte der Schweizer Textilindustrie, deren Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden – und nicht zuletzt der Nachwuchsförderung: die der Schweizer Ausbildungsstätten. In Zusammenarbeit mit 10 Schweizer Talentschmieden schauen wir auf die Modetrends des letzten Jahrhunderts zurück und präsentieren die Neuinterpretation zukunftsgerichtet an digital animierten Avatars.

Der Look

Wahrnehmung und Täuschung als Inspiration: Mimikry, Mimesis und Mimese werden von Tieren, Pflanzen und Menschen gezielt eingesetzt, um die eigenen Überlebenschancen und -fähigkeiten zu erhöhen. Sie senden visuelle, auditive oder olfaktorische Signale aus, um die Empfängerin und den Empfänger zu täuschen. Die kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Mimikry und ihre verwandten Fähigkeiten sind enorm vielfältig, wobei die Mode auf diesem Gebiet eine wesentliche Rolle spielt. Die Dekade 2001-2010 wurde immer stärker davon geprägt, sich anzupassen und dazuzugehören. Menschen passen sich durch Kleidung einer bestimmten Community an und erlangen dadurch Sicherheit.

Mit dem Look «Perception Deception» fühlt Besime Sasivari diesem Thema gestalterisch und spielerisch nach. Indem sie gleichzeitig die Perspektive der TrägerInnen als auch der Betrachtenden berücksichtigt, hinterfragt sie zusätzlich Identifikationsmechanismen und Wahrnehmungsprozesse. Ihr Twinlook besteht aus zwei bis auf die Farbe identischen Hosen und einem verbindenden Oberteil. Der Look widerspiegelt unsere Zeit, in der wir uns nahe sein wollen, durch den fast exzessiven Gebrauch von Social-Media doch stets auf Distanz sind. Wir sind innerlich verbunden, stehen nebeneinander, schauen uns jedoch nicht an. Das zeigt sich in diesem Twinlook: Die zwei TrägerInnen des Kleidungsstücks passen sich in der Bewegung einander an. Das verändert die Wahrnehmung durch die Konzentration auf das Innere des Oberteils und dessen Einschränkung. Die Hosen täuschen, sehen von vorne wie Hosen aus, von hinten aber wie ein Jupe mit Schlitz. Von der Seite betrachtet ist nur eine Person sichtbar. Zweisamkeit und Einsamkeit. Ein feinfühliges Zusammenspiel von Farben und klar definierten Linien. Schlichtheit, Konzentration auf die ungeschmückte Aussage des Looks.

 

Die Schule

100 Jahre textilrevue – 50 Jahre F+F Schule für Kunst und Design! Vor 50 Jahren wurde die F+F Schule für experimentelle Gestaltung gegründet. Sie bildete damals einen europaweit relevanten Knotenpunkt experimenteller Kunst und Gestaltung. Heute ist sie ein Schmelztiegel des kreativen und künstlerischen Schaffens und eine der wichtigsten unabhängigen Kunst- und Designschulen der Schweiz mit einem breiten Ausbildungs- und Kursprogramm und staatlich anerkannten Abschlüssen. Etabliert hat sich das dreijährige Studium in Modedesign, einziges Vollzeitstudium auf Stufe Höhere Fachschule in der Deutschschweiz, das den Studierenden eine fundierte handwerkliche, technische und gestalterische Grundlage für die künftige Berufsausübung als FashiondesignerIn bietet. In der praxisorientierten Ausbildung werden sowohl konzeptionelles Denken als auch kreatives Schaffen gefördert und ein Fokus auf selbständiges Arbeiten und die Entwicklung einer eigenen gestalterischen Persönlichkeit gelegt. Die aktuellen Entwicklungen aus Mode, Wirtschaft und Gesellschaft fliessen stets ins Studium ein.

 

Credits

Design: Besime Sasivari

Material: F+F Zürich

Infrastruktur: F+F Zürich

Models: Laura und Lyat Steiger

3D Scan: Faigle3D

Modeling & Texturing: Saqib Hamed

3D Motion Design: Niko Eriksson

Hintergrundbild: Sergey Ryumin, Getty Images

Projektleitung: Noémie Schwaller

Von Noémie Schwaller

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