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News
02.08.2021

Local Colours: Industrielle Pflanzenfärbung aus lokalen Lebensmittelabfällen

20 Prozent der globalen Wasserverschmutzung stammt aus der Textilindustrie und den chemischen Überresten, die bei der textilen Produktion entstehen. Obwohl einst ausschliesslich pflanzliche Farbstoffe zum Färben von Stoffen verwendet wurden, sind heute die meisten in industriellen Färbeprozessen verwendeten Farben synthetisch hergestellt und basieren nicht auf erneuerbaren Rohstoffen. Ein Team der ZHAW hat im Labor ein Färbeverfahren aus lokalen und pflanzlichen Lebensmittelabfällen entwickelt, das nun in Zusammenarbeit mit diversen Akteuren der Schweizer Textilbranche sein Debüt in Form einer kleinen feinen Leinenkollektion feiert. Initiiert wurde das Projekt 2015 von Caroline Fourré, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der ZHdK handgefärbte Seidenschals herstellte und dabei ausschliesslich pflanzliche Abfallprodukte wie Zwiebelschalen für die Textilfärbung verwendete. Die Chemieforschenden der ZHAW extrahierten im Labor darauf die Farben solcher Zwiebelschalen, um ein Verfahren zu entwickeln, das auch im industriellen Kontext zum Einsatz kommen kann. Mit Flachs von SwissFlax aus dem Emmental, dem Fachwissen des Walliser Pflanzenextraktionsspezialisten Mediplant, der Färberei Johann Müller AG und der Strickerei von Urs Landis (Herr Urs) suchten die Initianten im Juni per Crowdfunding erste Kundschaft für die Unisex-Strickpullover, die Küchentücher und die Plaids. Die gute Nachricht: Das Ziel von 15 000 Franken war schnell erreicht, weshalb Achim Ecker, Leiter Fachgruppe Industrielle Chemie ZHAW und sein Team, Caroline Fourré und alle anderen KooperationspartnerInnen nun hoffen, aus der Industrie weitere Interessenten für ihr umweltschonendes Färbeverfahren begeistern zu können.

 

caroline.fourre@bluewin.ch / achim.ecker@zhaw.ch

Von Christina Noli