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05.05.2020

Lightspeed schafft Abhilfe in der Krise

Lightspeed ist als Anbieter von Cloud-POS-Lösungen für Retailer und Gastronomen momentan ebenso von der Krise betroffen wie seine Kunden selbst. Mit kreativen Ansätzen versucht das kanadische Unternehmen, das auch in der Schweiz tätig ist, Wege aus der Misere für Kunden und Mitarbeitende zu finden. Retailer, die aufgrund von Ladenschliessungen keinen Umsatz generieren können, dürfen jetzt gratis Cloud-POS-Lösungen von Lightspeed beziehen und sich so einen Onlinestore aufbauen. Lightspeed-Mitarbeitende weltweit erhalten 500.- in Landeswährung, um bei bestehenden Lightspeed-Kunden online einzukaufen. Ausserdem können Interessierte sich derzeit Gründer Dax Dasilvas Buch «Age of Union» kostenlos herunterladen, das seinen persönlichen Werdegang beschreibt und als Ratgeber für zukünftige Meinungsmacher und ein besseres Morgen fungieren soll. Wir haben Dax Dasilva Ende letzten Jahres, kurz vor der Lancierung von Lightspeed hierzulande, zum Interview getroffen.

Dax Dasilva ist CEO und Gründer von Lightspeed, einem kanadischen Anbieter von Software-Lösungen und Supportsystemen für den POS, der Retailern und Gastronomen dazu verhilft, ihre Abläufe mithilfe von Cloud-basierten Prozessen zu vereinfachen und Gewinne zu maximieren. Nun hat der 43-Jährige mit seinem Team das Produkt, das sich auf kleine und mittelständische Betriebe spezialisiert hat, auch auf dem hiesigen Markt lanciert.

 

Was macht Lightspeed genau?

Wir bieten neue, cloudbasierte Technologielösungen für kleine bis mittelständische Unternehmen an. Ziel ist es, lokale Unternehmen und ihre Gemeinden zu stärken. Unsere Lösungen spiegeln die Art und Weise wider, wie Menschen heute Produkte entdecken, nämlich im Internet und oft durch ihr Mobiltelefon. Es ist das Onlineverhalten, das die Aktivität in der physischen Welt antreibt. In Bezug auf den Einzelhandel ist Omnichannel sehr wichtig. Ich habe Lightspeed im Jahre 2005 gegründet. Anfangs arbeiteten wir noch auf einem Apple-Computer, die erste Version orientierte sich an der originalen iTunes-Playlist, um den Benutzern Lightspeed mit etwas Vertrautem vertrauter zu machen. Mittlerweile sind wir ein POS-System in der Cloud für Gastronomiebetriebe und Retail. Lightspeed ermöglicht es Geschäftsinhabenden, einen vollständigen Überblick über ihr Unternehmen zu haben, sei es über Lagerbestände, Kundendaten oder ihren E-Commerce. Wir bieten auch verschiedene Add-ons wie Loyalitätsprogramme oder Buchhaltungspakete. Wir können bei unseren Kunden nach einem Jahr Lightspeed-Nutzung im Schnitt eine Umatzsteigerung von 20 Prozent verzeichnen.

 

Worauf basiert dieses Wachstum?

Durch Lightspeed können unsere Kunden ihren Warenbestand viel besser dokumentieren und verstehen, was sich im Geschäft wirklich gut verkauft. Was im E-Commerce selbstverständlich ist, kommt jetzt durch Lightspeed auch in physischen Stores zum Tragen. Wir helfen unseren Kunden, ihre Kunden besser kennen zu lernen und schlussendlich darauf zu reagieren, was diese wünschen. Dank cloudbasierter Daten können ihnen auch personalisierte Angebote gemacht werden. Wir unterstützen also unsere Kunden dabei, ihren E-Commerce und ihr physisches Lager zusammenzuführen. Von welcher Umstellung profitieren Ihre Kunden am meisten, wenn sie Ihre Dienste beanspruchen? Wir haben eine effiziente Analyseplattform, die den kostspieligen Inventurberater für einen Bruchteil der Kosten ersetzt und sogar optimiert. Lightspeed kann analysieren, was staubiger Bestand ist, wo man investieren sollte und welche Artikel man rabattieren sollte. Viele Händler neigen dazu, zu wissen zu glauben, welche ihre bestverkauften Artikel sind – dabei ändert sich dies schnell. Denn, wer in falsche Produkte investiert, hat von Anfang an schon verloren.

 

Wie genau dienen Sie gerade den kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Wir glauben, dass kleinere, unabhängige Einzelhändler bessere Chancen haben, erfolgreich zu sein und zu bleiben. Grössere Retailer investieren Millionen, versuchen, Dutzende Systeme zusammenzuführen, um ein nahtloses Multichannel-Erlebnis für den Verbraucher zu schaffen. Unabhängige Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit, ein einziges System zu übernehmen, sind agiler und können die Vorteile des Omnichannels früher nutzen als die grösseren Kollegen, die mehr Probleme mit der Transformation haben. Unsere Kunden zahlen für das Basissystem von Lightspeed anfangs etwa 100 US-Dollar, verschiedene Module können noch dazugebucht werden. Wir wachsen mit unseren Kunden mit.

 

Wo sind Sie am grössten?

Wir waren mit einem 50-Prozent-Anteil in den USA schon immer am meisten vertreten, 15 Prozent stellt unser Heimatland Kanada, und 35 Prozent erwirtschaften wir in der restlichen Welt, mehrheitlich in Europa. Hier sind wir besonders seit 2014 grösser geworden. Als wir anfingen, uns in Frankreich, der Schweiz und Deutschland umzusehen, stiessen wir vermehrt auf iKentoo, ein Unternehmen, das Kassensysteme für die Gastronomie macht. Da sich die Technologie gut für uns eignet und iKentoo bereits in 14 Ländern vertreten war, kauften wir die Firma und übernahmen die Gastronomiekunden. Seit kurzem bieten wir auch unsere Omnichannel-Lösungen für den Retail in der Schweiz an. Weltweit sind wir im Retail und in der Gastronomie an über 51 000 Standorten vertreten. Digitalisierung: Geht es im Retail noch ohne? Sicher gibt es noch Läden, die komplett ohne moderne Tools mit ihrer Stammkundschaft, die genau das schätzt, funktionieren. Doch Neukundenakquise findet im Internet statt. Und die Realität sieht so aus, dass einem Ladenbesitzer heute weitaus mehr abverlangt wird als noch vor zehn Jahren. Heutzutage muss man im Geschäft, in den sozialen Medien, bei der Order und der Investition in die richtigen Produkte gleichermassen herausragend sein. Wir befinden uns auf einer ganz anderen Ebene, auf der die Leidenschaft für die eigentliche Sache, das Verkaufen, verloren geht. Der einzige Weg, um meiner Meinung nach erfolgreich zu bleiben, ist mit einer Technologie wie der unseren. Wir geben unseren Kunden Daten und Einblicke in ihr Business, um richtige Entscheidungen zu treffen, und schaffen so auch wieder eine engere Beziehung zum Kunden im Geschäft. Omnichannel leicht gemacht: Lightspeed verschafft Retailern einen guten Überblick über ihre Produkte auf allen Kanälen.

 

Was sehen Sie als Erfolgsrezept für den Retail an?

Erfolgreiche Unternehmen sind solche, die mit personalisiertem Angebot ihre Geschäfte zu einem Lieblingsort ihrer Kunden machen. Zudem ist es wichtig, das richtige Produkt für den richtigen Kunden am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt zu haben. Viele sagen, der Retail sei dem Tode geweiht. Ich sage: Nicht der Retail an und für sich stirbt, sondern langweiliger Retail.

 

Was halten Sie von Sales im stationären Handel?

Wenn Händler ihr Geld in falsche Produkte investieren und diese dann für wenig Geld verschleudern müssen, ist das für mich ein Zeichen schlechter Gesundheit eines Unternehmens. Wenn nach einer gründlichen Analyse richtig investiert würde, wären viel weniger Rabatte notwendig.

 

Glauben Sie, dass Lightspeed in zehn Jahren noch relevant sein wird und warum? Müssen Sie sich ändern?

Ganz sicher. Wir mussten uns ja bereits neu erfinden. Die Erwartungen ändern sich jedes Jahr, und wir bitten unsere Partner regelmässig um Feedback. So kam heraus, dass sie sich ein Treueprogramm wünschten, was wir daraufhin eingeführt haben. Wir müssen uns so schnell neu erfinden können, wie sich das Konsumumfeld ändert. Wenn wir nicht in der Lage sind, unsere Kunden zu erfolgreichen Unternehmen zu machen, werden sie grossen Playern wie Amazon unterliegen. Unsere Mission ist es, dem Handel weiterhin technologische Innovationen zu bieten, damit er konkurrenzfähig ist – und bleibt.


 

 

Dax Dasilvas Buch «Age of Union» kann unter ageofunion.com kostenlos heruntergeladen werden.

Mehr Informationen zu Lightspeed und der Software unter lightspeedhq.de

Aylin Aslan