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News
12.02.2021

Verbände wehren sich mit offenem Brief

Forderung an Bundesrat: Öffnung Detailhandel am 1. März

Der Verband Textilschweiz – Swiss Fashion Stores hat sich mit einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt, um die Wiedereröffnung des Detailhandels am 1. März zu fordern. Eine Medienkampagne und die Unterstützung weiterer Verbände sollen der Forderung noch mehr Gehör verleihen.

«Die Geschäfte müssen am 1. März wieder aufmachen dürfen, sonst gibt es eine ganz grosse Katastrophe im Non-Food-Bereich», sagt Milo Goldener, Präsident des Verbands Textilschweiz – Swiss Fashion Stores. Wie viele Bereiche ist auch der Textilfachhandel mit rund 5’500 Geschäften, mehr als 30’000 Mitarbeitenden und rund 2000 Auszubildenden sehr stark von der Pandemie getroffen worden. Pro Verkaufsstelle betragen die Umsatzverluste für das Jahr 2020 zwischen 8 bis 35 Prozent. Die Reserven vieler Fachhändler seien bereits aufgebraucht.

Textiler Detailhandel besonders betroffen

Goldener erklärt, warum gerade der Fachhandel so dringend Hilfe benötigt und seine Geschäfte wieder ins Rollen bringen muss, um eine grössere Welle von Schliessungen zu vermeiden: «Die Härtefallmassnahmen vom Bund decken zwar die Mietkosten ab, jedoch muss die jüngst eingetroffene Ware erstens angenommen und einsortiert und zweitens bezahlt werden.» Dadurch fallen zum einen Kurzarbeitsentschädigungen weg, da derzeit fast täglich Mitarbeitende für die Abwicklung der eintreffenden Ware im geschlossenen Laden stehen müssen, und zum anderen sind die hohen Rechnungen im März fällig. Ohne Umsätze und zusätzliche Hilfe könne diese Ware schlichtweg nicht bezahlt werden.

Das machen unsere Nachbarn

«Eine bessere Lösung wurde beispielsweise in Österreich gefunden», erläutert der Präsident. So erhalten die betroffenen Non-Food-Händler Umsatzentschädigungen zwischen 20 und 60 Prozent. Ausgehend von einer 40-Prozent-Basis soll es Abstufungen zu bis zu 60 Prozent für Bereiche mit verderblicher und stark saisonal bedingter Ware geben. «Die Demodierung der Textilien, die ja Saisonware ist, die mit der Zeit an Wert verliert, wird hier mit einberechnet».
In Deutschland erfolgt unterdessen eine Rückerstattung von 90 Prozent der Fixkosten, wobei Wertverluste unverkäuflicher oder saisonaler Ware als erstattungsfähige Fixkosten anerkannt werden.

Textilschweiz – Swiss Fashion Stores fordert eine einheitliche Lösung, die sich nicht von Kanton zu Kanton unterscheidet. «Egal ob mit oder ohne E-Commerce und/oder Click&Collect, die Händler brauchen mehr Unterstützung oder eine Lockerung in der Kreditvergabe wie bereits im ersten Lockdown. Um wieder auf die Beine zu kommen, müssen die Läden aber zusätzlich um jeden Preis am 1. März wieder öffnen dürfen», so Goldener. Um mehr Sichtbarkeit zu erlangen, hat der Verband bei Mitgliedern, Befürwortern und Partnern zu einer Social Media Kampagne aufgerufen, die von Donnerstag, 11.2. bis Samstag, 13.2. auf den Kanälen online geschaltet werden soll.

Sportbranche zieht mit

Auch die Sport-Branchenverbände Asmas und Spaf schliessen sich dem Aufruf an und fordern vom Bundesrat eine Wiedereröffnung ihrer Läden, «um den Totalschaden der Wintersportbranche in der Schweiz abzuwenden». Laut einer Pressemitteilung von Sportbiz wird der Verlust der Schweizer Sportbranche bis Ende Februar 2021auf fast eine Milliarde geschätzt. Ausserdem seien ein Fünftel aller Jobs in der Sportbranche gefährdet. «Unsere Branche ist nach dem Frühjahr 2020 bereits zum zweiten Mal von einer kompletten Schliessung des stationären Handels betroffen. Die geschlossenen Geschäfte lassen die Verkäufe dramatisch schrumpfen», sagt Peter Bruggmann, Präsident von Asmas. Hinzu kommen die Schliessungen von Sportstätten und Freizeitanlagen, sowie das Verbot von Vereins- und Gruppenaktivitäten. «Dies führt dazu, dass wir insbesondere in den Bereichen des alpinen Wintersports und der Teamsportarten grosse Verluste zu verzeichnen haben.»

Ebenso wie der textile Detailhandel hat auch der Sporthandel das Problem der Bezahlung der Saisonware, die mitten in der Wintersportsaison nicht verkauft werden kann. Nach Ladenöffnung kann diese nur mit hohen Preisabschlägen noch verkauft werden. Auch die Lieferanten seien in Gefahr, da als Folge nun auch weniger Ware für die nächste Saison bestellt würde.


Hier gehts zur Social Media Kampagne «Lasst uns öffnen»

Aylin Aslan