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News
23.09.2021

Neue Kollaborations-Plattform für Schweizer Textillabels

Circular Clothing setzt auf Kreislaufwirtschaft

Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung, Ausbeutung − die zwei Circular-Clothing-Initiantinnen Karen Rauschenbach und Yvonne Vermeulen sowie Sylvie Merlo und ­Janina Kosmalski wollen diese Missstände in der Textilindustrie, die mittlerweile als zweitgrösster Umweltverschmutzer gilt, nicht hinnehmen, und setzen mit ihrer neu lancierten Plattform auf Kreislaufwirtschaft und die gemeinsame Vision einer Zero-Waste-Textilindustrie.

Circular Clothing soll mit namhaften PartnerInnen wie dem Migros-Pionierfonds als Innovationspartner, EPEA Switzerland als Zertifizierungspartner und der STF Schweizerische Textilfachschule als Wissenspartnerin Textil- und Modeschaffenden hierzulande Hilfestellung und Zugang zu einer gemeinsamen Cradle-to-Cradle-Lieferkette und -Zertifizierung ermöglichen.

«Ich hoffe, dass die Textilindustrie das aktuelle Momentum als Chance wahrnimmt, denn es geht nicht um rein ideologische Ziele, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft der schweizerischen ‒ und der europäischen ‒ Textilindustrie», so Sylvie Merlo, verantwortlich für die Kommunikation bei Circular Clothing. Der genossenschaftlich organisierte Verein richtet sich an Gleichgesinnte, Start-ups und KMU und bietet Hilfestellung für Mitglieder auf dem Weg zu Cradle-to-Cradle-zertifizierten Kollektionen. «Nur mit vereinten Kräften können wir zu einem Paradigmenwechsel in der Textilindustrie beitragen» lautet die Devise der Initiantinnen; so werden Mitglieder nicht nur mit einer praktischen Toolbox mit orderbaren Cradle-to-Cradle-zertifizierten Materialien ausgestattet, Circular Clothing bietet neben dem Zugang zu Cradle-to-Cradle-zertifizierten Lieferketten auch eine Dach-Zertifizierung an, die grossen finanziellen Vorteil bietet. Zudem gibt es Workshops, einen Leitfaden und Vorträge zum komplexen Prozess der Kreislaufwirtschaft sowie Kommunikations-Packages und Events, von denen die Labels profitieren.

«Es braucht immer eine gewisse Dringlichkeit, damit etwas passiert», erklärt ­Merlo, «aber wenn das Thema einfach wäre, wären wir schon viel weiter. Nun ist es an der Zeit, dass alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.» Damit macht die Expertin auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Den grossen Bedarf an Wissensvermittlung innerhalb der Branche, weil einerseits das Thema sehr komplex ist und es andererseits nicht einfach ist, vom linearen Wirtschaftsgedanken auf eine zirkuläre Herangehensweise zu wechseln. Mit einem eigenen praxisnahen Anwendungsfall des kleinen Schweizer Labels The Blue Suit sollen deshalb die persönlichen Erfahrungen mit den Mitgliedern geteilt werden. Dank eines grossartigen Feedbacks blicken die Gründerinnen positiv in die Zukunft, einige wichtige BranchenvertreterInnen und SourcingpartnerInnen wie Ocean Safe, E. Schellenberg Textildruck oder die Textilcolor AG haben ihre Unterstützung bereits zugesichert. Das Start-up feierte am 16. September an der STF seine Lancierung. ­

circularclothing.org

Von Christina Noli