Textil Revue | Startseite
Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
News
15.04.2020

Branchenstimmen: Swiss Textiles will den totalen Shutdown verhindern

Dass die Corona-Krise die Modebranche mit am härtesten trifft, mussten wir alle – ob Händler, Verkaufspersonal, Hersteller, lokales Modelabel, Ausbildungsstätte oder Agentur – die letzten Wochen am eigenen Leib erfahren. Während Läden und Fabriken zu sind und der Grossteil eines jeden Unternehmens im Home Office verweilt, ist es still geworden; auf der Fläche ebenso wie auf den Strassen. Wir haben uns bei unseren Partnern umgehört und sie gebeten, ihre Anliegen, Gedanken und Probleme in der Krise mit uns und dem Rest der Branche zu teilen.

Peter Flückiger, Direktor von Swiss Textiles, kommentierte auf Anfrage die aktuelle Situation der Schweizer Textilbranche folgendermassen:

«Es ist im Moment schwierig, ein allgemeines Bild zu zeichnen, da unsere Branche sehr heterogen aufgestellt ist. Klar ist, unsere Mitglieder sowie der ganze Wirtschaftszweig ist stark negativ betroffen, die Situation ist nicht erbaulich.

Für mich lässt sich die Krise bisher in zwei Phasen aufteilen: Zuerst, im Februar, gab es aufgrund der Lockdowns in China und Italien die ersten Lieferengpässe, da beide Industrien zu den Top 3 der Beschaffungsländer für Rohstoffe und Vormaterialien für Schweizer Unternehmen gehören. Zudem blieben gewisse Produkte und Halbfabrikate in Häfen und am Zoll blockiert, was ebenfalls beschaffungsseitig zu Problemen führte. Aber auch absatzseitig wurde das Geschäft hart getroffen, da das Chinesische Neujahr weggefallen ist, das sonst für erhöhten Konsum sorgt und den chinesischen Partnern zu mehr Umsatz verhilft. Solche Lieferketten-Themen sind aufgrund der Verknüpfungen und Abhängigkeiten bis in der Schweiz spürbar.

Die zweite Phase begann Mitte März mit dem Lockdown des Detailhandels der Schweiz und der meisten europäischen Länder. Damit wurde die Negativwirkung potenziert, denn alle Firmen, die den Handel beliefern – seien es Heimtextilien, Kleider, Lingerie, spezialisierte Textilien für Baumärkte oder Bänder, Flies und anderes –, diesen Unternehmen ist von einem Tag auf den andern der Umsatz weggebrochen. Doch ich eingangs erwähnt, zeigt sich ein heterogenes Bild, denn trotz allem gibt es auch Firmen, die weiter produzieren.

Als Verband sind wir momentan stark gefordert, um unsere Mitglieder zu unterstützenDabei sind vor allem arbeitsrechtliche Themen besonders dringlich. Kurzarbeit beantragen, Risikogruppen schützen und Überbrückungskredite erhalten sind – wie in anderen Branchen – hier die Kernthemen. Wir haben aber auch einen Aufruf an unsere Mitglieder gerichtet, welche Firmen Kapazitäten hätten, um Schutztextilien herzustellen. Die Resonanz war gross und sehr positiv. Zudem sind wir am Aufbau eines Netzwerks, wo sich die Branche austauschen und neue Lieferketten aufgebaut werden können.

Wir von Swiss Textiles begrüssen den vom Bund vereinfachten Zugang zu Darlehen, genauso wie die Unterstützung rund um die Thematik Kurzarbeit, haben jedoch auch Forderungen an Bern. Wir befinden es zudem als ausserordentlich wichtig, dass ein totaler Shutdown verhindert wird, da dies für die Wirtschaftlichkeit der Branche schlimme Konsequenzen hätte. Ein weiteres wirtschaftspolitisches Anliegen von Swiss Textiles ist, dass unsere Mitglieder an Rohmaterialien kommen, um möglichst weiterarbeiten zu können und die Lieferketten international aufrecht zu erhalten.»

Christina Noli