Textil Revue | Startseite
Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Fashion
09.07.2020

Nachhaltige Mode muss nicht teuer sein

Rework x NCCFN

Eine zukunftsgerichtete Kollaboration zweier Gleichgesinnter lässt eine Modekollektion entstehen, die sich mit dem Spannungsfeld von Massenproduktion und Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Zu sehen und zu kaufen im neuen Rework Pop-up-Store an der Europaallee am Bahnhof Zürich.

Die Problematik

Die Modeindustrie ist ein ökologisches Sodom und Gomorra und liefert notorisch Negativ-Schlagzeilen, wenn es um Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch geht. Nachhaltig orientierte Designstrategien sind wertvoll, jedoch oftmals nicht massentauglich, da zu teuer, um von einem Publikum gekauft zu werden, das von Fast-Fashion-Preisen korrumpiert wurde.

 

Die Alternative

Es werden keine neuen Materialien produziert, stattdessen werden die Kollektionen kostengünstig aus Altkleidern und Überproduktionen hergestellt, die nach neuen Schnittmustern abgeändert werden. Genäht wird in Indien, einem sogenannten Billiglohnland – jedoch explizit nicht durch einen anonymen Auftragspartner, wie es die allermeisten Kleidermarke des Westens tun, sondern im eigenen Nähatelier, wo echter Austausch stattfinden kann und die Herstellungsbedingungen in der eigenen Verantwortung liegen.

 

Die Kollaborateure

NCCFN Group ist ein Netzwerk aus Kunst und Kulturschaffenden rund um die Designerin Nina Jaun, eine Absolventin der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. NCCFN wurden im Rahmen des Swiss Cultural Challenge 2019 mit einer Arbeit zum Thema Wiederverwertbarkeit prämiert. Rework ist eine Kleidermarke, die als Tochterfirma des Kleiderladens Fizzen gegründet wurde und sich zum Ziel setzt, das Konzept des Altkleider Upcyclings als massentaugliche Alternative zu Fast Fashion zu positionieren.

 

Das Projekt

Das NCCFN Team reiste im Herbst 2019 nach Indien, um in Zusammenarbeit mit Rework eine Modekollektion umzusetzen. Im Staate Gujarat, nördlich von Mumbai, inmitten einer Freihandelszone, die als Sortierzentrum in der hochglobalisierten Altkleiderindustrie dient, führt Rework eine kleine unabhängige Produktionsstätte. Für NCCFN war es wichtig, sich direkt vor Ort mit den Aspekten von «lokal/ global» auseinanderzusetzen, sich inspirieren zu lassen, Kontakte zu knüpfen, inmitten von Abfallkleiderbergen im sprichwörtlichen Sinne.

 

Die Kollektion

Entstanden sind Kleidungsstücke, die zwar aufgrund der jeweils unterschiedlichen Altkleidermaterialien Einzelstücke bleiben, jedoch ausdrücklich den seriellen Charakter ins Zentrum stellen. Dekonstruktion von Textilien muss kein Kunstprojekt bleiben, sondern bietet Chancen für die gesamte Modeindustrie. Grundlage für die Kollektion, die sich «For The People» nennt, sind klassische Fast Fashion Kleidungsstücke, Massen-Basics wie Sweaters, T-Shirts und Polo Shirts. NCCFN arbeitet bewusst mit den «gewöhnlichsten» Teilen, denn diese sind per se in Massen vorhanden und werden dadurch zum Massen-Abfall. Verallgemeinernde Aussagen wie «Fashion», «Sport» oder schlicht «NCCFN» wurden auf die Teile gedruckt, um sie so „«massenproduziert“ wie möglich wirken zu lassen und um die Aussage zu unterstreichen, dass ressorcenschonend produzierte Mode nicht das Privileg einer gutverdienenden Bevölkerungsschicht bleiben muss.