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Fashion
27.07.2021

«Liebe und authentische Selbstdarstellung liegen immer im Trend» – Martine Harris

Die Australierin Martine Harris ist CEO von True Society, einem Zusammenschluss von Brautmodegeschäften und zudem Chefdesignerin ihres Brautmodelabels Essense of Australia, das sie einst aus dem eigenen Wohnzimmer heraus aufgebaut hat. Wir haben die zweifache Mutter, die seit einigen Jahren in Zug lebt, gefragt, wieso sie ausgerechnet diesen Frühling an der Bahnhofstrasse 13 ihrer neuen Heimatstadt Zug den europaweit ersten True-Society-Standort eröffnete und welche Faszination die Branche auf sie ausübt.

Die Pandemie hat den Handel mit festiver Mode hart getroffen. Wieso also jetzt ein Geschäft eröffnen?

Trotz aller Herausforderungen hat uns die Pandemie auch die Möglichkeit geboten, die Dinge anders anzugehen. Ich bin stolz darauf, dass sich True Society in diesen volatilen Zeiten dem Markt anpassen und weiterwachsen konnte und wir gleichzeitig unseren Bräuten ein sicheres und unvergessliches Erlebnis ermöglichten. Wir haben uns von Covid-19 nicht einschränken lassen, denn Planung ist unsere Kernkompetenz, das hört auch in einer Pandemie nicht auf. Wir mussten uns einfach an die veränderten Situationen adaptieren. Zug als Standort bietet eine wunderschöne Stadt mit See und malerischer Bergkulisse, die man leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht. Zudem sind Parkplätze in der Nähe vorhanden, und gleichzeitig gibt es ein charmantes Viertel, um einen wundervollen Tag mit Freundinnen und Familie zu verbringen.

Erzählen Sie uns ein wenig über sich und True Society.

Bei True Society dreht sich alles um das luxuriöse Brauterlebnis. Ich bin die CEO und schon seit über 20 Jahren in der Hochzeitsmodebranche in den Bereichen Design, Styling und Innovation für Retailer und Kundinnen tätig. Mit zwei Standorten in den USA ist Zug nun unsere erste internationale Dependance. Wir haben die Gelegenheit für eine Expansion nach Europa gesehen und wollen nun von massgeschneiderten Umkleidekabinen bis hin zu fachkundiger Beratung auch den Bräuten hier – schweiz- und europaweit – die Möglichkeit für dieses luxuriöse Einkaufen bieten.

Auf was sollte bei der Gestaltung eines Brautmodengeschäfts geachtet werden?

Das Wichtigste ist, immer an die Braut zu denken. Heute wünschen sich die Frauen ein spezielles Erlebnis, das authentisch und unvergesslich – und auch inklusiv ist. Denn die nächste Generation von Bräuten möchte bei Marken und Geschäften einkaufen, die ihre Werte teilen. Doch es ist klar: Ein atemberaubendes Geschäft ist wichtig, das Herzstück bilden jedoch die Beraterinnen. Sie werden Teil eines besonderen Moments und sorgen für eine einladende und warme Stimmung, während sie gleichzeitig fachkundige Anleitung bieten. Unsere Stores müssen als wahre Wohlfühloasen in jedem Bereich aussergewöhnlich sein.

Sind teure, aufwendige Prinzessinnenkleider im Zeitalter von Feminismus, Gleichberechtigung und Body Positivity denn noch im Trend?

Liebe und eine authentische Selbstdarstellung liegen immer im Trend. Für die Braut ist ihr Hochzeitskleid mehr als nur ein Kleidungsstück – es ist Ausdruck ihres wahren Ichs. Die heutigen Bräute suchen nach Designs, die ihre einzigartigen Geschichten erzählen und ihre Persönlichkeit zeigen. Für einige ist das ein aufwendiges Prinzessinnen-, für andere ein einfaches Boho-Crêpe-Kleid. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass wir eine Vielzahl von Frauen bedienen und für jede etwas bieten können. Wir sind stolz auf unsere grosse Auswahl an Designer-Marken wie Essense of Australia, Stella York, Martina Liana, Martina Liana Luxe, All Who Wander sowie die Handelsmarke Oxford Street oder das Brautjungfern-Label Sorella Vita. Und EveryBody/EveryBride richtet sich an unsere Plus-Size-Bräute. Unsere Beraterinnen lernen jede Braut kennen, bevor sie den Laden betritt, damit sie einen Look finden, der einzigartig für die jeweilige Liebesgeschichte ist.

Sie arbeiten schon seit über 20 Jahren in der Hochzeitsmodebranche. Was hat sich verändert?

Die Trends verändern sich von Saison zu Saison, genau wie die Bräute. Was in der Branche aber bestehen bleibt, ist genau der Grund, warum die Hochzeitsbranche existiert: Liebe. Covid-19 hat mich an den wahren Grund erinnert, warum ich im Brautmodengeschäft tätig bin. Es geht um mehr als ein Hochzeitskleid, sondern um Liebe und ein Leben voller Erinnerungen. Ich freue mich auf die Zukunft, da ich glaube, dass wir mehr Optionen für Bräute aller Formen, Grössen und Ethnien sehen werden. Inklusion und Body Positivity sind auch in diesem Segment wichtige Themen.

Was fasziniert Sie persönlich an dieser Industrie?

Sie ist zuverlässig, denn sie ist in der Tradition verwurzelt, und gleichzeitig sehr anpassbar. Was ich an den heutigen Hochzeiten am meisten liebe, ist, dass jede ihre eigene moderne Note hat. Moderne Bräute sind nicht mehr an eine Erwartung gebunden, denn sie haben die wunderbare Möglichkeit, ihre ganz eigene Vision zum Leben zu erwecken.

Von Christina Noli