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Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Business
31.08.2021

«Wir sind geballte Kompetenz und Frauenpower»

Seit März 2020 ist die Brand-Development- und Sales-Expertin Camille Patthey Direktorin der 2018 gegründeten Swiss Fashion Association (SFA), die sich der Förderung der Schweizer Mode verschrieben hat. Wie sie und der starke Vorstand dahinter die Branche vorantreiben wollen, was alles noch geplant ist und wie die letzten Monate waren, hat sie uns im Gespräch verraten.

Die SFA ist eine junge Organisation, die sich der Förderung von Schweizer Mode verschrieben hat. Wie kamen Sie zum ausschliesslich weiblichen Team?

Gegründet wurde die SFA von Karin Lorez, die 2014 selbst ein Label ins Leben gerufen hatte. Als studierte Juristin suchte sie damals nach Informationen, Unterstützung und PartnerInnen für ihre Marke – ohne Erfolg. So gründete sie kurzerhand selbst die Swiss Fashion Association, um Labels AnsprechpartnerInnen und Netzwerk zu bieten. Ich selbst bin mit und um Kunst herum aufgewachsen und interessiere mich schon lange für den Businessaspekt der Mode: Marken- und Strategieentwicklung, Kollektionsplanung, Marktimplementierung und Nachhaltigkeit sind meine Kerngebiete. So kam ich 2020 zur SFA.

Was genau bietet die SFA ihren Mitgliedern?

Auch wenn in den letzten eineinhalb Jahren weniger Veranstaltungen stattfinden konnten, so organisieren wir normalerweise Events und Workshops, um unsere Mitglieder und den Markt zu vernetzen und ihnen wichtige Fähigkeiten zu vermitteln. Beispielsweise um industrierelevante Themen wie Brand-Development, Kommunikationsstrategie, geistiges Eigentum. All dies sind Dinge, die Mode- und Designschaffende nicht unbedingt im Studium lernen, sodass wir ihr Wissen diesbezüglich erweitern können. Momentan zahlen wir über 40 Mitglieder. Unter ihnen sind Namen wie Arienne Birchler, Mama Tierra, Palmagente und Weer. 

Mit welchen Problemen kommen die Mitglieder zu Ihnen?

Wir alle haben die Konsequenzen der Pandemie im letzten Jahr stark zu spüren bekommen, unsere Mitglieder mussten riesige Umsatzverluste auf sich nehmen. Viele Modeschaffende waren ≪auf Standby≫, andere orientierten sich neu. Die Marktimplementierung ist erschwert und viele Supply Chains waren unterbrochen, was zu Herausforderungen in Produktion und Logistik führte. Auch wenn unsere Brands kleiner sind – die Probleme sind global. 

Hat die SFA auch PartnerInnen im Ausland?

Wir sind international gut vernetzt und haben bereits früh Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, sich im Ausland zu präsentieren. So konnten wir im Rahmen unserer Swiss Digital Fashion Week die Pariser B2B-Plattform Le New Black als Partnerin gewinnen. Seit Anfang des Jahres können sich dort fünf unserer Mitglieder dem nationalen und internationalen Fachpublikum präsentieren. Le New Black arbeitet mit etablierten Brands, die Ästhetik des Showrooms ist ansprechend und die technologischen Möglichkeiten weitreichend. Somit ein gutes Umfeld für unsere aufstrebenden Mitglieder.

Wie betreiben Sie Talentförderung?

 Letzten Frühling haben wir das Programm Talents gegründet. Wir sind der Meinung, dass es für professionelle ModedesignerInnen, die einen Brand aufbauen mochten, eines besonderen Programms bedarf, das sie stärkt und fordert. Eines Programms, das sich den Branchentalenten widmet. Der Fokus liegt auf internationaler Entwicklung, Marktimplementierung und Kreation. Die ≪Talents≫ werden von einer Jury ausgewählt und haben dann die Chance, für einen Bruchteil des Originalpreises an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen, die ihre Reichweite vergrössern und Fähigkeiten schärfen. Dazu gehören Brand-Development und Rechtsberatung, die Teilnahme an der Swiss Digital Fashion Week, an der digitalen Messe ≪Tradeshow ‒ for selected Buyers and Retailers≫ und ab 2022 am physischen Showroom in Paris.

Was steht in Zukunft an?

Da die letzten eineinhalb Jahre so schwierig waren für alle, müssen wir jetzt schnell und agil sein, um möglichst viele Modeschaffende unterstützen zu können. Es ist vieles geplant, darunter Medien- und Retailpartnerschaften, B2B und B2C-Events, nationale und internationale Pressetage und zwei Workshop-Serien, die ab Herbst stattfinden sollen. Es gibt viel zu tun, trotzdem sind wir zuversichtlich. Wir haben ein sehr tolles Board mit engagierten Expertinnen aus verschiedenen Branchenzweigen wie Design, Marketing, Kommunikation, Sales, Retail, Bildung und Recht. Wir sind geballte Kompetenz und Frauenpower. Darauf bin ich stolz.

swissfashionassociation.ch

Von Aylin Aslan