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Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Business
13.05.2020

Tally Weijl sitzt in der Klemme

Wenn die Banken das Sagen haben

Tally Weijl steht auf Druck von Seiten der Credit Suisse, Deutsche Bank und UBS ein grossflächiger Stellen- und Ladenabbau bevor.

Das Modeunternehmen Tally Weijl aus Basel sieht sich gezwungen, wenn innert kurzer Frist keine Kredite im Wert von 25 Millionen Franken zusammenkommen, seine Läden zu schliessen. In der Hoffnung, das Ruder noch herumreissen zu können, wird die Fashionkette den Banken bis heute einen neuen Businessplan erstellen. Darin enthalten sind Restrukturierungsmassnahmen wie auch die Kennzahlen zu personellen Entlassungen, die fast einen Drittel aller Arbeitsplätze betrifft, sprich bis zu 800 Stellen bis Ende 2021, inklusive Stellen in den Partnerläden. Von den bis zu 200 Läden, die geschlossen werden sollen, befinden sich 5 bis 10 in der Schweiz. 

 

Die Lage wird verschärft, weil das Unternehmen mitten in einer Umbauphase steckte, als es von der Corona Krise getroffen wurde. Es hatte Ende August nach Informationen der «SonntagsZeitung» noch ein konsolidiertes Eigenkapital von 100’000 Franken, auf operativer Ebene lag der Verlust nach 9 Monaten bei 27 Millionen Franken. Hinzu kam, dass die letztjährige Ware am Publikum vorbei eingekauft wurde. Der geplante Imagewechsel, weg vom Werbeslogan «Totally sexy» für junge Mädchen, ging daneben, schreibt die «Baz».

 

Obwohl die Investorensuche pre-Corona Zusagen von 17 Millionen Franken erbrachte, verkraftete das Unternehmen die Lockdown-Schliessung seiner rund 800 Läden nicht, zumal der E-Commerce nur 10 Prozent des Umsatzes ausmacht. Um den Weg aus dem Finanzengpass zu finden, schreibt die «Handelszeitung», wurden für die beiden Schweizer Gesellschaften daher Covid-19-Kredite im Gesamtumfang von 24,7 Millionen Franken beantragt, wie Ende April publik wurde.

NoéMie Schwaller