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Business
01.04.2020

Update zum Wochenstart

Es bleibt turbulent: abgesagte Männerschauen, Mieter, die nicht zahlen wollen und geschlossene E-Commerce-Logistikzentren – soviel zum Beginn der dritten Woche Corona-Lockdown in der Schweiz.

Der Modekalender wird zurzeit durchgerüttelt. Nachdem Jörg Wichmann die Panorama im Juli in Berlin bereits abgesagt hatte (textilrevue berichtete), ist nun seit letztem Freitag zudem klar, dass auch die Männerschauen in Mailand und Paris Ende Juni dem Corona-Virus zum Opfer fallen. Mailand will die Menswear gleichzeitig mit der Womens im Herbst zeigen, Paris hat sich bis dato noch nicht dazu durchgerungen, ein Ersatzdatum zu kommunizieren. Ebenfalls abgesagt sind die Couture-Shows in den beiden Städten, die im Juli hätten stattfinden sollen sowie die New York Fashion Week Mens, die ebenfalls Anfang Juni hätte stattfinden sollen. Ob die Pitti Uomo, die vom 16. bis zum 19. Juni stattfinden soll, durchgeführt wird, steht laut einer Mitteilung von letztem Freitag noch in den Sternen. Entschieden wird am 2. April.

Ein grosses Problem, über das auch hierzulande debattiert wird, sind fällige Ladenmieten von geschlossenen Geschäften. Adidas, Deichmann und H&M kündigten an, bis auf Weiteres keine Mietkosten mehr bezahlen zu wollen. Nach einem Aufruhr in den sozialen Medien, relativierte der Adidas-Vorstand Kasper Rorsted in einem Interview mit der «FAZ» die Entscheidung folgendermassen: «Wir reden nicht über den kleinen Sporthändler an der Ecke, wir reden ausschliesslich über unsere eigenen Läden, die wir selbst betreiben. Dort sind unsere Vermieter in der Regel grosse Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds, sie haben für diese Massnahme überwiegend Verständnis gezeigt», zitiert die «Textilwirtschaft» Rorsted. Private Vermieter würden die Zahlungen laut dem Adidas-Mann pünktlich erhalten. In Deutschland ist eine hitzige Diskussion rund um das Thema entbrannt, wobei Politiker wenig Verständnis für die Entscheidung der Marken zeigen. 

In der Schweiz wird das Thema mit einer von Bundesrat Parmelin eingerichteten Task-force auf Hochtouren bearbeitet. Das grösste Problem ist, dass bis anhin eine Gesetzesgrundlage fehlt. Wie die «NZZ» letzte Woche schrieb, befindet Tobias Kunz, Präsident des Verbandes der Geschäftsmieter, dass «wegen der verordneten Schliessung ein Mangel im Sinne des Mietrechts vorliege und der Mieter einen Anspruch auf Mietzinsreduktion hat. Bei einer verordneten Schliessung beträgt der Reduktionsanspruch 100 Prozent». Kunz ist sich aber im Klaren, dass sich wohl Mieter und Vermieter darüber nicht einig seien. Geraten wird, das Gespräch unbedingt noch vor Ende März mit dem Vermieter zu suchen, um eine Lösung für den April zu finden, da nun laut verschiedener Aussagen des Bundes eine Wiedereröffnung der Geschäfte am 19. April noch in weiter Ferne liegt.

Während der stationäre Handel unter den Folgen der Geschäftsschliessungen ächzt, gibt es im E-Commerce diverse Gewinner – bis anhin. Doch nun vermeldete einer der grössten Luxusmodehändler im Netz, Yoox, Net A Porter und Mr. Porter, dass seine Logistikzentren geschlossen werden. Ob diese Konsequenz auch anderen drohen könnte, ist im Moment noch unklar. Wie eine Dokumentation von «SRF» zeigte, war Digitec-Galaxus aufgrund der hohen Nachfrage letzte Woche für sein Verteilzentrum noch auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden.

Christina Noli