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Business
21.01.2021

Stimmen aus der Branche zur erneuten Ladenschliessung

Start des zweiten Lockdowns

Tag 1 des zweiten Lockdowns: Was sagt die Branche? Was bewegt die Gemüter? Wir haben nachgefragt.

«Stillstand ist keine Option», schreiben Martina Unternährer und Stefan Egli, die Betreiber des Swiss Design Markets auf unseren Leser-Aufruf, Stimmung, Konzepte und Ideen mit uns und der Branche zu teilen. «Wir haben uns lange geweigert, einen Olineshop aufzubauen, aber seit dem 1. November haben wir das Projekt gewagt und werden den Shop im neuen Lockdown weiter ausbauen. So können nicht nur wir den Lockdown ein wenig auffangen, sondern auch unsere vielen Partner-Brands weiterhin Umsatz generieren», heisst es weiter seitens der Swiss Design Market-Macher, die Mitte Februar ihren ersten längerfristig geplanten Laden in Bern eröffnet hätten. Ebenfalls im Portfolio der beiden Tausendsassas: der grösste Schweizer Verein für zeitgenössisches Kunsthandwerk und Design, Formforum. Um die Bekanntheit der über 500 Mitglieder, kleine Schweizer Manufakturen, zu steigern, wollen Unternährer und Egli ihre Kommunikationsmassnahmen intensivieren. «Aber es ist anstrengend – auch für uns», so Unternährer.

Noch emotionaler klingt die Rückmeldung aus der Westschweiz von Julien Brunschwig vom Lido Vevey, der traditionsreichen Boutique mit einer Historie die bis 1870 zurückgeht. Brunschwig tut sich schwer mit der fehlenden Unterstützung des Einzelhandels sowie der uneingeschränkten Konkurrenz des ausländischen Onlinehandel: «Es wird nichts getan, um die Branche zu vereinen, Arbeitsplätze zu retten, dem Textilhandel zu helfen. Ich bin empört über so viel Gleichgültigkeit unserer Branche gegenüber», so die deutlichen Worte des in fünfter Generation tätigen Inhabers. «Ausländische Player online in der Schweiz verkaufen zu lassen, während wir geschlossen haben müssen, das ist eine Schande. Auch wir müssen Onlineverkäufe anbieten, aber wer hilft uns, einen solchen Store zu installieren? Gegenüber den Plattformen können wir uns nur mit unserer Geheimwaffe verteidigen, dem Kundenservice», so Brunschwig. 

Auch Milo Goldener, Präsident Textilschweiz – Fashion Stores und Inhaber von Goldener Mode, findet klare Worte für die aktuelle Situation: «Grundsätzlich kann ich die Massnahmen des Bundes nachvollziehen, obwohl das Ansteckungsrisiko im stationären Handel sehr, sehr gering ist und die Schutzkonzepte perfekt sind. Jedoch kann es nicht sein, dass bei den Grossverteilern weiterhin Güter des nichtalltäglichen Bedarfs wie Wolle, Mercerieartikel, Nähmaschinen und weitere Elektroartikel, Sporttaschen, Velohelme, Schuhe, Motorradbekleitung, Helme etc. verkauft wird», so Goldener, «diese Wettbewerbsverzerrung ist nicht akzeptabel für die Detailhändler unserer Branchen!» Diese Thematik führte bereits im deutschen Fachhandel zu lauten Protesten, wenn dieser schliessen muss, aber Aldi und Lidl ihre textilen und Outdoor-Kollektionen weiterhin anbieten dürfen.

David Pfrommer vom Schweizer Label17 mit eigenem Laden im Zürcher Seefeld hat neben der geschlossenen Boutique noch ein paar andere Baustellen: «Die Situation stellt sich auch für uns sehr anspruchsvoll dar: Zum Einen sind wir mit dem eigenen Shop Label17 Studio im Seefeld in Zürich unmittelbar und direkt betroffen. Gleichzeitig haben wir dazu rund 25 Retailkunden, denen wir Mitte Februar 2021 die Kollektion Frühling/Sommer 2021 ausliefern wollen und parallel dazu startet gegen Ende Januar die Orderrunde Herbst/Winter 2021/22. Vorfreude ist also nicht das Erste, was einem einfällt bei diesem Szenario», so Pfrommer und ergänzt trotzdem mit optimistischen Worten, «bleiben wir zuversichtlich und geben nicht auf – gemeinsam, statt einsam!» 

Gerne würden wir mehr von Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern aus der Branche hören, denn Austausch, Unterstützung, Verständnis und manchmal auch nur ein offenes Ohr in dieser herausfordernden Zeit kann zwar keine Umsätze herzaubern, aber die Devise soll lauten: Gemeinsam ist man stark!

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Christina Noli