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Business
03.12.2020

Das Konzept des schwedischen Filialisten auf dem Prüfstand

Monki will mit «Green Machine» Mischfasern trennen

Vor Kurzem präsentierte die H&M-Tochterfirma Monki ihre «Green Machine», die erstmals die Trennung von Mischfasern möglich macht und laut der H&M Group «die Branche revolutionieren» soll. Wir haben beim Schweizer Cradle-to-Cradle-Experten Albin Kälin nachgefragt, was er davon hält.

Der zur H&M Group gehörende Fililalist Monki will laut eigener Mitteilung vollständig zirkulär werden und bis 2030 nur noch recycelte oder nachhaltige Materialien verwenden. Gemeinsam mit einem Hauptlieferanten wird im Zuge dieser Strategie Anfang 2021 in Indonesien die erste «Green Machine» ihre Arbeit aufnehmen, um erstmalig täglich 1,5 Tonnen Mischfasern zu trennen. «Monki ist die erste Marke der Welt, die Kleidungsstücke mit der Green Machine herstellt, was bedeutet, dass auch der Produktionsprozess eine Premiere ist», heisst es seitens der Schweden. Bisher konnten Textilien und Kleidungsstücke, die aus Baumwoll- und Polyester-Mischungen bestehen, beim Recyclingprozess nicht vollständig voneinander getrennt und somit nicht rezykliert werden. Mittels eines hydrothermischen Verfahrens soll die «Green Machine» dies nun möglich machen und damit ein grosser Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft erreicht werden.

Zu gut um wahr zu sein?

Das Projekt klingt, als wäre es das, auf das die Fast-Fashion-Branche gewartet hat, denn gerade Billiganbieter setzen im grossen Stil auf die kostengünstigen Polyester-Mischungen, die aber bislang in rezykliertem Zustand oft nicht mal mehr als Putzlappen wiederverwendet werden können – wenn sie überhaupt recycelt werden können. Die «Green Machine», die in Zusammenarbeit der H&M Foundation und dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel, dem HKRITA, entstanden ist, soll nun mit Wärme, Druck, Wasser und «grünen» Chemikalien Fasern trennen, Farbe entfernen und Baumwolle als Zellulosepulver ohne Qualitätsverlust extrahieren. Das Zellulosepulver könne in einem weiteren Schritt auf «funktionelle Produkte oder regenerierte Fasern aufgebracht», das Wasser, die Wärme und die Chemikalien mehrfach verwendet werden. 

Das Urteil des Profis

So weit so gut, doch was sagt Kreislaufwirtschaftsexperte Ablin Kälin dazu? «Eine Green Machine könnte man auch Green Washing Machine nennen», geht der Schweizer Cradle-to-Cradle-Pionier auf Anfrage der textilrevue mit harten Worten mit der neuen Maschine ins Gericht. «Das Konzept ist klar», so Albin weiter, «aber es gibt drei Punkte, die nicht gelöst sind. Erstens: Die Baumwoll- oder Zellulosefaser wird in ein Zellulosepulver zerstört. Zweitens: Man weiss nicht, was mit den toxischen Farbstoffen und Ausrüstungschemikalien geschieht. Sind diese dann in kleinen Substanzen im Zellulosepulver schlummernd? Und drittens: Was fängt man mit diesem Zellulosepulver an?». Zusätzlich zur Einschätzung von Albin Kälin stellt sich die Frage nach dem Sinn des Standorts und der Logistik, denn die Unmengen an Textilien und Kleidungsstücken müssen erst nach Indonesien gebracht werden.

Trotz allem ein Leuchtturmprojekt

Auch wenn vieles gegen die «Green Machine» spricht, so muss doch fairerweise gesagt werden, dass die Textilbranche solch auf­se­hen­er­re­genden Projekte braucht. Nicht zuletzt, um bei den Endkonsumenten mittels grossen Marketingbudgets ein Umdenken zu erreichen. Und dadurch auch den Weg für kleinere und glaubhaftere Unternehmen, die eben nicht über diese Budgets verfügen, zu ebnen. So ist Albin Kälin überzeugt, dass «der Weg der Inogema GmbH, die mit dem biologisch abbaubaren Baumwolle-Polyester arbeiten, viel sinnvoller» ist. Das deutsche Unternehmen bietet bereits eine breite Palette an Cradle-to-Cradle-zertifizieren Geweben, Garnen, Bändern, Knöpfen und Kordeln an und gilt als Vorreiter im Bereich der textilen Kreislaufwirtschaft. 

Christina Noli