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19.02.2021

Lagebericht zum Detailhandel von Swiss Council of Shopping Places

Die Retail Marketplace und Shoppingcenter Community Swiss Council of Shopping Places hat einen Lagebericht zum Schweizer Detailhandel herausgegeben. Trotz teils abweichender Ergebnisse durch unterschiedliche Erhebungsmethoden ist das Fazit eindeutig: 2020 war in Bezug auf den Detailhandel – für die meisten, wenn auch nicht alle Branchen — ein gutes Jahr.

2020: Ein Rekordjahr für den Schweizer Detailhandel

Als am 16. März 2020 der erste Lockdown begann, und damit ein Grossteil der Geschäfte in der Schweiz für 8 Wochen schliessen mussten, hätte wohl niemand gedacht, dass das Jahr 2020 für etliche Schweizer Detailhändler umsatzmässig zu einem Erfolgsjahr wird. Denn allein die Schweizer Shoppingcenter verloren in der Zeit vom 16. März bis 11. Mai 2020 ca. 39 Millionen Franken Umsatz pro Tag. Kein Wunder, bei einem Rückgang der Besucherfrequenz von bis zu minus 80%. Dass die Umsätze im Schweizer Detailhandel (dazu gehören sowohl die Umsätze im stationären Handel als auch die Onlineumsätze) im Jahr 2020 trotz des Lockdowns und den damit verbundenen Ladenschliessungen zulegen konnten, ist erfreulich aber auch nachvollziehbar.

Explodierender E-Commerce

Durch die temporäre Schliessung der Geschäfte konnte der Onlinehandel massiv an Umsatz zulegen. Je nach Quelle zwischen Plus 35% und Plus 55%, was einem Umsatzzuwachs von 3.6 Mrd. respektive 5.7 Mrd. Franken entspricht.
Der Anteil am gesamten Detailhandelsumsatz dürfte im Jahr 2020 somit bei ca. 16% liegen. Der gesamte Onlineumsatz der Migros wuchs um 31% auf knapp 3 Mrd. Franken, wobei Digitec/Galaxus, der grösste Onlinehandler der Schweiz, den Umsatz um 56.4% auf 1.7 Mrd. Franken steigern konnte. Bei Coop stiegen die Onlineumsätze um Plus 35.2% auf 1,2 Mrd. Franken, davon schaffte coop@home einen Zuwachs von Plus 42.6% .

Weniger Auslandeinkäufe, mehr Geld im eigenen Land

Mit der Grenzsperrungen und den Soft Lockdowns in den Nachbarländern auch der
Einkaufstourismus weg und das Geld (und der Umsatz) blieb somit im Lande. Der St.Galler Ökonom Thomas Rudolph hat auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» vom 17. Mai 2020 ausgerechnet, dass Schweizer Läden mit einer zusätzlichen Kaufkraft in Höhe von potenziell 1,95 Milliarden Franken im Zeitraum Mitte März bis Mitte Juni 2020 über alle Branchen hinweg rechnen können, wobei vor allem Lebensmittelmärkte profitierten.

Boomende Märkte

Vor allem der Food-/Nearfood Bereich konnte gemäss dem GfK Markt Monitor um 10.9%
zulegen, doch auch der Nonfood holte trotz der nachhaltigen Beeinflussung der Pandemie-Auswirkungen signifikant auf und übertraf sogar das Vorjahresniveau um 2.6%.

Migros und Coop mit starkem Umsatzwachstum

Die Coop Supermärkte verzeichnen 2020 ein Wachstum von Plus 14.4% und auch die Migros Super- und Verbrauchermärkte konnten Ihren Umsatz im um Plus 7.4% steigern.

Grosse Unterschiede: Textiler Einzelhandel leidet

Besonders die Märkte Do-it und Heimelektronik, aber auch Wohnungseinrichtung,
Sport/Freizeit/Spiele, schienen durch die Decke zu schiessen. Erklären lässt sich dies wohl damit, dass die Menschen aufgrund der Einschränkungen der Freizeitmöglichkeiten aber auch durch Homeoffice mehr zu Hause waren und Ihr Geld statt für Reisen, auswärts essen gehen oder Vergnügen anderweitig ausgegeben haben. Umgekehrt musste die Mode- und Bekleidungsbranche teilweise massive Umsatzrückgänge verzeichnen. Kein Wunder, die Branche musste während dem Lockdown Umsatzeinbussen von bis zu minus 75% hinnehmen.

Bis die definitiven und detaillierten Zahlen für das Jahr 2020 vorliegen, braucht es noch
etwas Geduld. Anlässlich der GfK Handelstagung vom 16. Juni 2021 werden diese dann bestimmt wie gewohnt fachkundig präsentiert und bringen Klarheit in einen Markt, der 2020 alles andere als gewöhnlich war.

Was bringt die Zukunft?

Klar ist, die Coronakrise wird auch das Jahr 2021 mitbestimmen. Ob sich das Wachstum im Onlinehandel im Ausmass von 2020 fortsetzen wird, ist fraglich. Ein Marktanteil von 16% bis 18% am gesamten Detailhandelsumsatz für die Jahre 2021 bis 2022 scheint jedoch realistisch. Für den stationären Handel muss wohl ohne die Sondereffekte von 2020 und unter normalen Umständen mit tieferen Umsätzen gerechnet werden. Die Autoren der Retail Outlook Studie vom Januar 2021 prognostizieren für das aktuelle Jahr für den Food/Near Food Markt einen Umsatzrückgang von Minus 6% und für den Non-Food-Markt ein Umsatzplus von 2%. Dies nicht ohne darauf hinzuweisen, dass diese Prognosen auf Annahmen bezüglich der epidemiologischen Entwicklung basieren, die mit hoher Unsicherheit behaftet sind, und vor allem als grobe Richtungsweisung dienen.