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Business
02.06.2020

Kredibilität und Messbarkeit – das zählt im Influencer-Marketing

Mit über 1700 Schweizer Influencern in der Kartei ist Kingfluencers in der Schweiz Marktführer im Bereich Influencer-Marketing. Gründer Fabian Plüss erzählt was heute wichtig ist, und warum diese Art der digitalen Vermarktung so erfolgreich ist.

Erklären Sie kurz, was Influencer-Marketing ist?

Per Definition sind Influencer Menschen, die über ihre ­eigene Community verfügen und innerhalb dieser eine Glaubwürdigkeit in einem oder mehreren Themenbereichen besitzen. Wenn Influencer Produkte, Dienstleistungen oder ­Botschaften gegen Bezahlung im Leben integrieren und auf den eigenen Kanälen kommunizieren, nennt sich das Influencer-­Marketing.

Sie haben Kingfluencers vor fünf Jahren gegründet. Wie kam es dazu?

Ich war lange in der Werbung für ein Dental­unternehmen sowie bei einer Agentur tätig, wo wir erfolgreich mit soge­nannten Opinion-Leaders gearbeitet haben. Die Erfahrung lehrte mich, wie stark die Empfehlung einer glaubwürdigen Person innerhalb ihrer Community sein kann und so gründete ich Kingfluencers. Mittlerweile sind wir 15 Mitarbeitende und setzen zahlreiche Kampagnen in den Bereichen Fashion, Beauty, Food & Beverages, Yoga, Fitness, Reisen, Musik und Celebrities um.

Wie viel kostet eine gute Influencer-­Kampagne ­hierzulande?

Wenn man mit einem renommierten Influencer arbeiten möchte, der sich wirklich mit dem Produkt auseinandersetzt, eine hohe Bildqualität und guten textlichen Content bietet, rechnen wir durchschnittlich mit rund 10 000 Franken, die wir in vier bis fünf Posts aufteilen. 

Welche Entwicklungen beschäftigen Sie zurzeit? 

Abgesehen vom Trend der Stunde, Tiktok, wird alles immer datengetriebener. Interessierte Marken schauen sich mittlerweile die Communitys genau an, schauen, wo die Follower sitzen, welche Engagement-Rates sie aufweisen etc. Denn Glaubwürdigkeit steht heute über allem. Für Influencer ist es deshalb wichtig, nicht von Anfang an auf Anzeigen zu setzen, sondern sich zuerst mit Leidenschaft innerhalb ihrer Community eine Kredibilität zu erarbeiten. Es darf nicht unterschätzt werden, wie aufwendig es ist, regelmässig guten Content zu liefern. Da wird sehr viel Zeit und Leidenschaft investiert. Thematisch sind zurzeit zudem Kampagnen im Bereich Employer-Branding beliebt. Das bedeutet, dass sich Firmen bei Mitarbeitenden beliebter machen wollen oder per Influencer-Kampagnen nach Nachwuchs suchen.

Der Mode- und Textilindustrie fehlt ebenfalls der Nachwuchs. Könnten Influencer-Kampagnen helfen?

Auf jeden Fall. Ein Berufsbild kann so attraktiver gemacht werden – genauso wie eine Firma oder Produkte. Bei einem Modehändler lässt sich bei Kampagnen beispielsweise auch ein erhöhter Traffic im Onlinestore messen. Von der Storyline her sollte nicht von Anfang an etwas verkauft, sondern zuerst Aufmerksamkeit generiert, über das Produkt gesprochen, dessen Vorteile aufgezeigt und erst am Ende der Kampagne ein Call-to-Action eingebaut werden. Dieser muss stets sympathisch und subtil sein, Influencer sollten nicht als reine Verkäufer eingesetzt werden.

Viele Partnerschaften sind nicht als bezahlte gekennzeichnet. Wie stehen Sie dazu?

Das ist ein grosses Problem, gegen das wir angehen, denn die Community bemerkt es sowieso und die Influencer verlieren ihre Glaubwürdigkeit. Messungen zeigen überdies, dass deklarierte Kampagnen besser funktionieren, als nicht deklarierte. Die Ehrlichkeit wird oft mit höheren ­Engagement-Rates honoriert. Wichtig ist aber auch, dass Influencer promotete Brands glaubwürdig vertreten können, der Brand-Influencer-Fit muss also im Vorfeld zwingend abgeklärt werden. Beispiel: Eine Kampagne für Louis-Vuitton-Taschen unter 15-Jährigen mit kleinem Budget macht schlicht keinen Sinn. 

Wie wird sich Influencer-Marketing entwickeln?

Grundsätzlich gibt es das eingangs erwähnte Opinion-Leader-Marketing ja schon lange. Es haben sich lediglich die Kanäle geändert, durch die eine sehr grosse Skalierbarkeit entstanden ist. In Zukunft werden sich die Plattformen verändern und gewisse Influencer verschwinden, aber auch neue dazukommen. 

 

Christina Noli