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Business
22.10.2020

Die U.N. Fashion Charter nimmt klarere Formen an

Karl Lagerfeld bestätigt nachhaltigen Kurs

Ein Jahr nach der Gründung des globalen Modepakts zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen hat u.a. die Marke Karl Lagerfeld, die zu den 32 erstunterzeichnenden Firmen gehört, ihre Bemühungen für das Engagement im Bereich Umweltschutz bekräftigt.

Gegliedert in drei verschiedene Kernbereiche – Ozean, Klima und biologische Vielfalt – gab der CEO von Karl Lagerfeld, Pier Paolo Righi, am Modegipfel in Kopenhagen letzte Woche bekannt: «Die gesamte Modeindustrie hat eine Verantwortung, ihre Auswirkungen auf den Planeten zu reduzieren, und wir können dieses Ziel nur gemeinsam erreichen.» Die Massnahmen der 2019 ins Leben gerufenen, globalen Nachhaltigkeitsinitiative, die U.N. Fashion Charter, die mehr als 60 führende Unternehmen aus der Mode- und Textilindustrie, darunter Luxus-, Lifestyle- und Sportmarken, sowie Zulieferer und Einzelhändler vereint, nehmen konkrete Formen an. So haben die Mitglieder nun mit der Unterstützung von versierten, technischen Experten sieben strategische, greifbare Ziele festgelegt, wo ein gemeinsames Vorgehen erforderlich ist, um Lösungen zu skalieren, mit denen eine starke Wirkung auf globaler Ebene erzielt werden kann. 

Klimaziele wissenschaftlich stützen

Die Unterzeichnenden des Modepakts haben sich zur Umsetzung wissenschaftsbasierter Klimaziele verpflichtet, um bis 2050 eine Netto-Null-Kohlenstoffbelastung zu erreichen. Zudem soll bis 2025 25 Prozent der Materialbeschaffung umweltfreundlich sein und 50 Prozent der verwendeten Energien aus erneuerbaren Quellen stammen, bis 2050 sollen es dann 100 Prozent sein.

Biologische Vielfalt erhalten und fördern

Die biologische Vielfalt ist ebenfalls ein wichtiges Thema, auf das sich die Modeindustrie konzentriert, das aber vor allem für Unternehmen, die auf naturbasierte Ressourcen angewiesen sind, von entscheidender Bedeutung ist. Konkret hat sich die U.N. Fashion Charter in dieser Säule zum Schutz von Schlüsselarten sowie zum Schutz und zur Wiederherstellung kritischer natürlicher Ökosysteme verpflichtet. Als erste konkrete Ziele haben sich die Mitglieder verpflichtet, bis Ende 2020 individuelle Bio-Diverstitäts-Entwürfe zu präsentieren und bis 2025 nur noch nachhaltige Waldbewirtschaftung zu betreiben oder Ressourcen aus ebendieser zu verwenden. 

Ozeane schützen

Um den bereits stark belasteten Weltmeeren nicht noch mehr Plastik zuzuführen, ist der erste Schwerpunktbereich des Modepakts die Beseitigung von problematischem und unnötigem Plastik in Verpackungen (einschliesslich Plastikbeuteln, Kleiderbügeln, Verbraucherverpackungen und Einzelhandelstaschen). Die Unterzeichnenden werden Plastik-Endverbraucher-Verpackungen bis 2025 und B2B-Verpackungen bis 2030 beseitigen. Gerade im Business-Bereich stellen Kleiderbügel und Transportbehälter eine grosse Herausforderung dar, während die meisten Plastiktüten für Kunden in den Geschäften bereits eliminiert haben.

Innovations-Agentur für starke und gemeinsame Lösungen

Alle Mitglieder der U.N. Fashion Charter arbeiten derzeit mit (Re)Set zusammen, laut eigenen Aussagen «die erste Open Innovation Agency, die sich ausschliesslich den Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft und der Umwelt widmet». So sollen innovative Firmen zum Handeln aufgerufen und das Gewicht des Kollektivs zur Skalierung ebensolcher Lösungen genutzt werden. Wie Pier Paolo Righi erklärt, prüft die Organisation auch alle Geschäftsbereiche der Marke Karl Lagerfeld, wie sie durch verantwortungsbewusstes und ehrliches Verhalten und Handeln sowie gegenseitigen Respekt einen positiven Einfluss ausüben kann.

 

Christina Noli