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Business
09.10.2019

Digitales Zahlungssystem für Textilfabriken

Mastercard spannt mit grossen Textilunternehmen zusammen, um Digitalzahlungen an Mitarbeitende von Bekleidungsfabriken zu erproben.

Mastercard hat sich laut Fashionnetwork mit dem amerikanischen Denim-Unternehmen Levi Strauss & Co., der in Denver ansässigen VF Corporation, der britischen Marks & Spencer sowie der globalen gemeinnützigen Organisation Business for Social Responsibility (BSR) zusammengeschlossen, um ein hybrides, digitales Zahlungssystem für Mitarbeitende von Textilfabriken in den Lieferketten der Bekleidungsunternehmen zu testen, um Sicherheit, Effizienz und Transparenz zu verbessern.

Durch das neue System können teilnehmende Fabriken die Löhne direkt auf die Konten ihrer Mitarbeitenden einzahlen, die dann Debit- oder Prepaidkarten oder digitale Geldbörsen einrichten. Ziel der Initiative ist es, die Bedingungen für Bekleidungsarbeitende zu verbessern, die bei Barzahlung nicht nur durch Diebstahl gefährdet sind, sondern auch oft weite Strecken zurücklegen müssen, um Rechnungen zu bezahlen. Darüber hinaus haben viele dieser Arbeitnehmenden bei Barzahlung wenig Möglichkeiten zur Zukunftsplanung oder Geld zu sparen. Laut Mastercard erhöht die Einführung digitaler Zahlungen den Zugang der Fabrikarbeitenden zu Einsparungen von 28 auf 43 Prozent.
 
Die Verlagerung sollte auch den beteiligten Arbeitgebenden durch Effizienzsteigerung zugute kommen. Mastercard besagt, dass Bekleidungsfabriken, die ihre Mitarbeitende digital bezahlen, eine Zeitersparnis von 53 Prozent bei den Teams melden, die für Zählung und Lieferung der Löhne verantwortlich sind. «Mastercard ist ein ausgezeichneter Partner für ein solches Pilotprojekt, aufgrund der Infrastruktur, die sie um digitale Zahlungssysteme herum aufgebaut haben, und unserem langjährigen Engagement für das Wohlergehen der Mitarbeitenden», sagte Michael Kobori, VP of Sustainability bei Levi Strauss & Co. in einer Pressemitteilung. «Wir freuen uns auf die Ergebnisse des Pilotprojekts und hoffen, dass damit die Bemühungen um die Realisierung des Potenzials der Digitalzahlungen zum Nutzen der Mitarbeitenden in allen Textillieferketten vorangetrieben werden.»
 
Es wird angenommen, dass die Initiative vor allem den Frauen helfen wird, die 68 Prozent aller Bekleidungsarbeitenden ausmachen und finanziell besonders gefährdet sind. Mastercard hob eine aktuelle Studie des International Growth Center hervor, die ergab, dass 75 Prozent der Textilarbeiterinnen derzeit über keine grundlegende finanzielle Allgemeinbildung verfügen. In diesem Sinne arbeitet das Mastercard Center for Inclusive Growth auch mit der BSR zusammen, um deren HERfinance Digital Wages Ausbildungsprogramm einzuführen, das darauf abzielt, Arbeiterinnen in Textilfabriken zu stärken, indem es ihnen eine finanzielle Grundausbildung bietet.

Noémie Schwaller