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Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Business
28.07.2020

Die Branche von morgen

Tasha Colors kann einen bunten Strauss an Lebens- und Berufserfahrung vorweisen. Die Zürcherin modelt, mixt Cocktails in mehreren Bars und steht seit sieben Jahren bei BIG als Verkäuferin auf der Fläche. Vor zwei Jahren begann sie ihr berufsbegleitendes Studium an der STF Schweizerische Textilfachschule und scheint noch lang nicht fertig zu sein.

Sie sind im vierten Semester des Studiengangs «Dipl. Textilwirtschafterin HF». Was fasziniert Sie so an der Mode- und Textilbranche? Und hat sich Ihr Blick­winkel auf selbige während Ihres Studiums verändert?
Ich finde es wahnsinnig spannend zu sehen, was alles in Bewegung ist. Das grosse Thema Nachhaltigkeit, inwiefern das Weltgeschehen – wie jüngst bewiesen – Einfluss nimmt und wie verzahnt die ganze Logistik ist. Je mehr Wissen man ansammelt, desto mehr Negatives erfährt man allerdings auch. Deswegen bin ich froh, dass Nachhaltigkeit an der STF ein so grosses Thema ist, denn ich möchte auf lange Sicht Gutes für Umwelt und Mensch mit meiner Arbeit bewirken.

Inwiefern? Wo möchten Sie mit Ihrem Studium hin?
Man kann mit meinem Abschluss unglaublich viel machen. Möglich sind Felder wie internationaler Einkauf oder Verkauf, zielgruppengerechtes Multichannel-Management, Management entlang der Supply Chain, Marketing und einiges mehr. Ich persönlich liebäugle mit dem Einkauf, auch ein Master steht noch im Raum, ich möchte mich aber noch nicht festlegen. Wenn Covid-19 uns eines gelehrt hat, dann, dass man nicht zu weit voraus planen und sich alles sehr schnell ändern kann.

Der Branche geht es derzeit schlecht. Haben Sie Zukunftsängste?
Nein, denn ich glaube, dass es zu jedem menschengemachten Problem auch Lösungen gibt. Meiner Meinung nach befindet sich die Branche gerade in einem riesigen Wandel, die Zeichen stehen auf seasonless, so wie Gucci es jüngst vormachte, Verlangsamung und ökologischem Bewusstsein – und das finde ich genau richtig. Natürlich besteht weiterhin der Konflikt zwischen Wirtschaft und Umweltschutz; denn auch nachhaltige Mode fördert letztendlich den Konsum, allerdings hoffe ich, dass es hierfür bald eine Lösung gibt. Die Branche wird sich deutlich ändern müssen, so viel ist klar, aber sie wird auch immer eine Berechtigung haben.

Was sind Ihrer Meinung nach die Probleme an der Reputation des Verkaufspersonals generell? Was wünschen Sie sich?
Eins vorweg: Ich liebe meinen Job und schätze den engen Kontakt mit den Kunden und Kolleginnen sehr. Aber es ist eine wirklich anspruchsvolle Arbeit, die nicht jedem liegt. Manchmal ist man Psychologin, Beraterin und Stylistin in einem. Dazu kommt, dass die Anforderungen ans Verkaufspersonal überall auf der Welt je nach Kultur unterschiedlich sind und Kunden mit verschiedenen Erwartungshaltungen in den Laden kommen, die wir nicht immer erfüllen können. Ich würde mir für meine Kolleginnen und mich wünschen, dass dem Beruf ausreichend Respekt gezollt wird und dass die Kunden sich gerade im Moment einfühlsamer an unsere Schutzkonzepte halten.

Apropos Schutzkonzepte: Wie hat sich Ihr Beruf seit dem Lockdown verändert?
Die Modissa AG ist ein toller Arbeitgeber und auch während dem Lockdown drangeblieben. Ich konnte von zu Hause zudem auch einiges auf Social Media machen. Seit der Wiedereröffnung tragen wir bei engem Kundenkontakt Masken und halten uns natürlich auch sonst an die Vorschriften. Dazu gehört ebenfalls, Kunden aufzufordern, sich die Hände zu desinfizieren. Wem das nicht gefällt, dem begegne ich mit einem kleinen Witz oder Augen­zwinkern, dann ist der Ärger meist ganz schnell vergessen.

Aylin Aslan