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Business
26.03.2020

Corona: Wie sich die ersten Auswirkungen bemerkbar machen

42 Milliarden Franken ist das Hilfspaket schwer, das der Bund der Wirtschaft hierzulande zur Verfügung stellt, um Unternehmen dieser Tage unter die Arme zu greifen. Ob es ausreicht, wird sich zeigen, dennoch handelt es sich um das bis dato grösste Hilfsprogramm des Bundesrats. Wenn gleich nicht vergessen werden darf, dass es sich um Kredite handelt. Direkte Finanzspritzen sind scheinbar nicht geplant. Doch wie sieht es anderswo aus? Bei den europäischen Nachbarn, die es ähnlich schwer trifft, wie die Schweiz? Wir wagen einen Blick über die Grenze: Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Modebranche und wie wird damit umgegangen?

Seit den Anfängen der Krise und dem Shutdown vieler Fabriken in China sind Lieferschwierigkeiten ein vielbesprochenes Thema in der Mode- und Textilbranche. Doch seit dem Ausnahmezustand in Europa jagen sich auch hier die Ereignisse von Tag zu Tag. Viele hiesige Branchenvertreter sagten vor zwei Wochen auf Anfrage der textilrevue noch, dass sie bis dato nichts von den Schwierigkeiten in China spürten, Italien müsse man eher genau im Auge behalten. Das hat sich nun grundlegend geändert. Seit zwei Tagen nun sind die Fabriken im stark von der Krise betroffenen Italien zu. Das dürfte grosse Auswirkungen auf den hiesigen Modehandel haben, da Italien einer der wichtigsten Partner darstellt. Die bis zum 3. April verordnete Schliessung betrifft Fabriken und Unternehmen, die nicht zwingend Notwendiges herstellen; eine Weisung, die verschiedene Firmen wie Gucci bereits im Vorfeld initiiert hatten, auch um ihre Mitarbeiter zu schützen. Zusätzlich zu den Hilfsmassnahmen der Regierung haben Branchengrössen wie Giorgio Armani grosszügig für den Kampf gegen das Corona-Virus gespendet. Der italienische Designer hatte schon während der Mailänder Fashion Week als einer der ersten reagiert und die Armani-Show hinter verschlossenen Türen und nur für digitale Kanäle veranstaltet.

Wie in vielen Ländern erhalten auch Unternehmen in Dänemark staatliche Hilfe. Für einige reicht diese leider nicht aus: Die Bestseller-Gruppe mit den Brands wie Vero Moda oder Jack&Jones gab laut einem Artikel der «Textilwirtschaft» gestern bekannt, 750 Mitarbeitende entlassen zu müssen. Aufgrund der Geschäftsschliessungen habe das Unterstützungspaket der Regierung einfach nicht ausgereicht. Die Geschäftsleitung lässt mit Bedauern vermelden, es habe lediglich dazu beigetragen, weitere Kündigungen abzuwenden.

Der deutsche Staat hat Kleinunternehmen finanzielle Unterstützung zugesagt, solange diese Einbussen infolge der Corona-Krise aufweisen können. So sollen Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten bis zu 9000 Euro aus dem Rettungspaket erhalten, bei solchen mit bis zu 10 Beschäftigten sind es bis zu 15’000 Euro. Grossunternehmen sollen von einem Stabilisierungsfond profitieren. Darüber hinaus wurde bei unseren Nachbarn die Pro-Bono-Initiative «Händler helfen Händlern» ins Leben gerufen, die den von der Pandemie stark betroffenen Einzelhändlern durch die schwierigen Zeiten helfen soll. Denn in vielen geschlossenen Stores türmt sich dieser Tage die Ware. Die Mitglieder der Initiative arbeiten derzeit an einer Plattform, auf der stationäre Händler ihre Filialbestände hochladen können, die dann durch Taxis, Lieferdienste, Getränkelieferanten und regionale Logistikdienstleister ausgeliefert werden sollen. Die Initiative wurde von den Händlern Rose Bikes und Visunext Group in Zusammenarbeit mit dem Shopsoftware-Hersteller Shopware ins Leben gerufen. So soll ein zusätzlicher Verkaufskanal geschaffen werden, um Ausfälle zu kompensieren. Die Initiatoren sind dankbar um jede Hilfe und Input für den Aufbau der Infrastruktur, bei der beispielsweise auch Taxizentralen an die Plattform angeknüpft werden müssen. Eine Kontaktaufnahme über LinkedIn ist erwünscht. Ob in der Schweiz etwas Ähnliches möglich wäre, muss sich noch zeigen. Bis anhin hat die textilrevue keine Kenntnis davon. Wir berichten weiter.