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Business
23.03.2020

Bureau Betak für einen minimalistischen ökologischen Fussabdruck

Der gefragte Produzent ist für einige der opulentesten und übertriebenen Modeschauen der letzten 30 Jahre verantwortlich. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit und versucht, die Auswirkungen der wichtigsten Marketingmomente der Branche radikal zu reduzieren.

«Unsere Welt der Mode und des Luxus wird kaum überleben, wenn sie nicht eine grosse Revolution durchführt», sagt Alexandre de Betak, Gründer des Bureau Betak, an. Der gefragte Produzent ist für einige der opulentesten und übertriebenen Modeschauen der letzten 30 Jahre verantwortlich. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit und versucht, die Auswirkungen der wichtigsten Marketingmomente der Branche radikal zu reduzieren. 

 

Die beeindruckende Jacquemus-Show mit geringerem Fussabdruck ist ein Beispiel für die neue Normalität, die de Betak zu etablieren hofft. Kurz nach dem Ende der Pariser Modewoche erwartet Bureau Betak die Zertifizierung für den Standard für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement der Internationalen Organisation für Normung.

 

Die Zertifizierung ist erst der Anfang: Von nun an wird jede Veranstaltung, die Bureau Betak von seinen Büros in Paris, New York und Shanghai aus produziert, einem strengen Rahmen unterliegen, der intern in «Zehn Geboten» festgelegt ist.

 

Die Verpflichtungen beginnen bei der umweltbewussten Gestaltung eine Arbeit, die bereits im Gange ist und die sich zunächst auf miet- oder wiederverwendbare Elemente, die vollständige Wiederverwendung oder das Upcycling aller gesetzten Materialien und das Rezyklieren aller Abfälle konzentriert. Sie reichen bis zur Null-Toleranz für Einweg-Kunststoff und zur Minimierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Reisen. Die Agentur plant, ihre Kohlendioxidemissionen bis 2022 um 25 Prozent zu reduzieren, und wird von nun an die Emissionen, die sie nicht vermeiden kann, mit 15 Euro pro Tonne (16 Dollar) ausgleichen, also mehr als doppelt so viel wie der Satz, den Gucci bei der Ankündigung seiner Pläne, kohlenstoffneutral zu werden, im vergangenen Jahr zahlen wollte.

 

«Es gibt keine kohlenstoffneutrale Veranstaltung oder Modenschau», sagte de Betak. Als Unternehmen, das sich auf Luxusveranstaltungen konzentriert, «können wir nicht billig sein; wir müssen luxuriöse Ausgleiche kaufen».

 

Das Bureau Betak strebt für 2021 die Zertifizierung der B Corp. an und schliesst sich damit Patagonia und Allbirds an, die sich für ein Gleichgewicht zwischen Zweck und Gewinn einsetzen. Innerhalb des Jahrs plant es, ein Manifest mit lokalen Ressourcen und technischen Lösungen zu erstellen und zu teilen, um den Fussabdruck seiner Shows zu verringern. De Betak hat die Ambition, einige der grössten Namen der Branche in einem «Do-Tank» zu versammeln, der mehr Lösungen von Umwelt- und Nachhaltigkeitsexperten sucht und diese mit den Machtakteuren teilt, die die Reichweite solcher Erkenntnisse erweitern können.

 

Quelle: BOF

 

Noémie Schwaller